Schmetterling des Monats September

Der Nierenfleck-Zipfelfalter (Thecla betulae)


Der Nierenfleck-Zipfelfalter ist fast überall zu finden, wo Schlehe, Zwetschge oder andere Prunus-Gewächse vorkommen. Daher ist er bei uns allgemein an Waldrändern, Streuobstwiesen und vor allem im Heckengäu verbreitet. Der durchaus prächtig gefärbte und für einen Bläuling recht große Falter verhält sich jedoch sehr unauffällig und wird deshalb – trotz der weiten Verbreitung – höchst selten beobachtet.


Neben Waldrändern, verbuschten Magerrasen, Hecken und Streuobstwiesen als Hauptlebensräume spielen auch Gartenkolonien und Gärten in Ortsrandlagen eine wichtige Rolle. Als Nahrungsgrundlage für den Falter dienen zahlreiche Wildblumenarten sowie viele Gartenblumen. Insbesondere Ruderalflächen mit Kanadischer Goldrute, Rainfarn, Baldrian und Wald-Engelwurz werden gerne zur Nektaraufnahme besucht.

 


Die ersten Falter erscheinen bereits im Juli. Dann sind allerdings fast nur Männchen zu finden. Erst ab Mitte August überwiegen dann die Weibchen. Im September sind kaum noch Männchen zu sehen. Die Weibchen fliegen bis Mitte Oktober. Sie sind nicht standorttreu, sondern fliegen auf der Suche nach geeigneten Eiablagestellen weit umher.

 

 

Das Weibchen legt seine Eier zumeist in den Winkel kleiner Astgabeln ab. Besonders gerne wählen sie zur Eiablage junge Stockaustriebe zuvor entfernter Schlehenbüsche oder junge Zwetschgen-„Wildlinge“, die sich auf Brachenflächen aus Wurzelbrut gebildet haben. Ungepflegte, überalterte, ganz sich selbst überlassene Hecken und Zwetschgenbäume, wie man sie Kreis Böblingen heute immer häufiger findet, spielen für den Nierenfleck-Zipfelfalter dagegen keine wichtige Rolle.


Die Eier werden hauptsächlich an Schlehen und Zwetschgenbäumen abgelegt. Daneben werden noch weitere Gehölzarten der Gattung Prunus angenommen, so beispielsweise Mirabelle und die oft an Bächen wachsende Traubenkirsche. Ob auch die Birke als Raupennahrung geeignet ist, wie aus dem lateinischen Namen abzuleiten wäre, gilt unter Fachleuten als höchst zweifelhaft, eine regelmäßige Nutzung von Birken ist jedenfalls auszuschließen.

 


Eibablagestelle des Nierenfleck-Zipfelfalters (jeweils in der Bildmitte), Gärtingen


Die Art überwintert im Ei-Stadium. Gegenüber den sehr unauffälligen Faltern, die häufig übersehen werden, lässt sich das kalkweiße Ei im Winter höchst einfach nachweisen, indem man jüngere Zweige der Wirtsgehölzarten nach allen Seiten wendet und vor allem in den Gabelungen nach hellen Punkten sucht. Unter der Lupe zeigen die Eier dann eine unverwechselbare, etwas an einen Schwamm erinnernde Struktur. Fast das gesamte Wissen zur Verbreitung und Häufigkeit dieser Falterart und zu ihren Lebensraumansprüchen beruht auf gezielter Ei-Suche im Winterhalbjahr. Viele an Schmetterlingen Interessierte waren verblüfft, die Eier dieser Bläulingsart sogar im eigenen Garten an Zwetschge oder Schlehe zu finden, obwohl sie den Falter selbst dort nie zu Gesicht bekommen hatten.


Etwa ab Ende März schlüpft die grüne, asselförmige Raupe, die sich dann ab Mitte Juni verpuppt. Es wird vermutet, dass die Weibchen sich direkt nach dem Schlupf paaren und dann – gut versteckt – eine Sommerruhe einlegen, bevor sie Mitte August mit der Suche nach geeigneten Eiablagebüschen beginnen. Manche Weibchen leben bis Mitte Oktober und sind mitunter noch an sonnigen Herbsttagen in schon stark abgeflogenem Zustand beim Eierlegen zu beobachten.


Der Nierenfleck-Zipfelfalter ist als Kulturfolger nicht gefährdet. Er ist jedoch auf das Vorhandensein von Schlehen, Traubenkirschen oder ungespritzten Obstbäumen angewiesen. Empfindlich ist er allerdings gegenüber häufigem Insektizideinsatz. So können Bestände im Umfeld von Intensiv-Obstplantagen und Weinbaugebieten durch regelmäßigen Insektizideinsatz gefährdet oder sogar ausgelöscht werden.


Weltweit kommt der Nierenfleck-Zipfelfalter von Westeuropa einschließlich dem südlichen Großbritannien und Südskandinavien sowie dem nördlichen Mittelmeerraum bis nach Ostasien vor. In Baden-Württemberg kommt er noch fast in allen Naturräumen vor. Nur in einigen Regionen mit großflächig intensivem Biozideinsatz ist er selten geworden (nördlicher Oberrhein) oder fehlt bereits ganz (östlicher Bodensee).

 

 

Der Schwalbenschwanz (Papilio machaon)

Der Schwalbenschwanz ist einer der bekanntesten Schmetterlinge unserer Region. Häufig wird er vor allem zu Werbezwecken abgebildet. Die meisten Menschen sehen das Original bei uns jedoch nur selten.

Die Raupen des Schwalbenschwanzes leben bei uns an mehr als 20 verschiedenen Doldenblütler-Arten, zusätzlich auch an der Weinraute. Entscheidend für die Eignung als Raupenlebensraum ist, daß die Nahrungspflanzen an Standorten mit besonders warmem Mikroklima gedeihen, insbesondere über offenem Boden und Geröll. Ist diese Voraussetzung erfüllt, kann sich der Schwalbenschwanz in einer Vielzahl unterschiedlichster Lebensräume entwickeln, so etwa in Mähwiesen an Kümmel und Wiesensilge, auf Waldlichtungen und an versaumten Waldrändern an Pastinak, auf Kalkmagerrasen an Kleiner Bibernelle, in bodensauren Magerrasen an Bärwurz, in Steppenheiden und Felsfluren an Heilwurz und Haarstrang-Arten oder auf Gleisanlagen an Wilder Möhre. Selbst in Gemüsegärten wird die auffällige und bunte Raupe im Spätsommer und Herbst regelmäßig gefunden, und zwar in Beeten (offener Boden!) an Gartenmöhre oder Dill.

Weil der Falter außerordentlich flug- und ausbreitungsstark ist, vermag er auch neu entstandene Lebensräume rasch zu besiedeln (Steinbrüche, Kiesgruben, neu angelegte Straßenböschungen, Kahlschläge, junge Acker- und Baubrachen etc.).

Der Schwalbenschwanz fliegt bei uns jährlich in zwei bis drei Generationen und überwintert als Puppe. Die erste Generation fliegt von Mitte April bis Ende Juni und die zweite Generation von Mitte Juli bis Mitte September. In warmen Gebieten (oder Jahren) schlüpfen oft noch einzelne Falter einer dritten Generation, die von September bis Mitte Oktober zu beobachten sind. Raupen sind jeweils mit einem halben Monat Versatz danach zu finden.

Im Kreis Böblingen ist der Schwalbenschwanz allgemein verbreitet und - wie auch im Landesmaßstab - ungefährdet. Seine Raupen können bei uns überall gefunden werden, wo die oben beschriebenen Voraussetzungen erfüllt sind. Am häufigsten ist die Art auf den Magerrasen des Heckengäus zu beobchten, wie z.B. auf dem Aidlinger Venusberg. Die Falter-Weibchen sind nicht standorttreu und schweifen auf der Suche nach Eiablagestellen und Nektarquellen weit umher. Daher kann man der Art - im Gegensatz zu vielen anderen Tagfaltern - in nahezu allen Offenlandlebensräumen begegnen.

Bekannt ist der Schwalbenschwanz für sein Paarungsverhalten, das sogenannte “Hilltopping”. Dabei besetzen Männchen landschaftlich hervorragende kleine Hügel oder Bergkuppen, manchmal auch Türme und hoch liegende Wasserbehälter, und fliegen dort unablässig hin und her. Dabei werden alle anderen hellfarbigen vorbeifliegenden Schmetterlinge angeflogen und geprüft, ob es ein arteigenes Weibchen ist. Noch unbegattete Weibchen fliegen solche Plätze direkt nach dem Schlupf zielsicher an. So findet auch bei geringer Individuendichte, wie sie beim Schwalbenschwanz zumeist der Fall ist, erfolgreich die Geschlechterfindung statt.

 

 



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