Schmetterling des Monats Oktober

Das Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum)


Das Taubenschwänzchen ist ein relativ häufiger Wanderfalter. Alljährlich wandern im Frühjahr viele Falter aus Südeuropa in den Norden und werden dann bei uns vorwiegend in Gärten beim Blütenbesuch wahrgenommen. Im Spätfrühling und im Sommer pflanzen sich die Falter hier fort und jahrweise kommt es zu einer starken Vermehrung. Gerade dann werden die Falter besonders häufig beobachtet, wenn sie im Hoch- und Spätsommer wie kleine Kolibris in Gärten und an Balkonkästen umherschwirren. Einige der bei uns geschlüpften Falter wandern im Herbst wieder nach Süden zurück. Andere versuchen dagegen, bei uns zu überwintern. In den milden Wintern der letzten Jahre gelingt dies immer öfter, so daß man schon im März überwinterte Falter in den Gärten beobachten kann, die dort z.B. Krokus-Blüten als erste “Tankstelle” nutzen.

 

 

Die Weibchen der erfolgreich überwinternden Falter legen im Frühjahr ihre Eier ab. Einwandernde Falter kommen erst später hinzu. Die Eier werden einzeln an den Nahrungspflanzen abgelegt. Bei Letzteren handelt sich sich fast ausschließlich um verschiedene Labkraut-Arten, die jedoch nur an sonnigen Orten, wie z.B. alten Steinbrüchen, Kiesgruben, Brachen, Ruderalstandorten, Magerrasen und extensiv genutzten Wiesen mit Eiern belegt werden. Die Raupe frisst vorwiegend bei Tag. Ihre Verpuppung findet am Erdboden in einem losen Gespinst statt. So kommt es, daß Falter dieser Schwärmer-Art fast das ganze Jahr über mehr oder weniger zahlreich beobachtet werden können. Raupen hingegen findet man dagegen nur in der Vegetationsperiode zwischen Mitte April und September.

 


Je nach Witterungsverlauf kommt es in manchen Jahren zu regelrechten Massenvormehrungen des Taubenschwänzchens. In anderen Jahren sind die Falter dagegen eher selten zu beobachten.


Taubenschwänzchen sind im Falterstadium auch fleißige Besucher des Sommerflieders in den Gärten. Eigentlich zu den Nachtfaltern (Schwärmer) gehörend, fliegen sie jedoch ausschließlich bei Tag, oft jedoch bis spät in die Dämmerungsstunden hinein. Nachts bilden sie an günstigen Stellen, wie warmen, senkrechten Wänden von Mauern und Felsen, mitunter kleine Übernachtungsgesellschaften.


Als Nektarpflanzen für den Falter dienen viele unterschiedliche Arten. Bevorzugt werden blaue und rotviolette Blüten mit einem langen und engen Blütenkelch. Es werden auch viele Kulturpflanzen in Gärten und selbst auf Äckern besucht (z. B. Rotklee, Luzerne). Der Falter saugt während der Nahrungsaufnahme im Schwirrflug vor einer Blüte stehend mit seinem langen Rüssel, bevor er nach wenigen Sekunden zur nächsten fliegt. Während des Fluges wird der Saugrüssel wieder eingerollt.


Das Taubenschwänzchen ist im Gegensatz zu vielen anderen Faltern auch oft noch bei relativ niederigen Temperaturen aktiv. Wie andere Schwärmer können sie sich dabei durch Zittern der über dem Körper liegenden Flügel selbst erwärmen.


Durch seine Lebensweise kann das Taubenschwänzchen praktisch in allen Lebensräumen gefunden werden. Die Gesamtverbreitung reicht von Nordwestafrika über Südeuropa und Kleinasien bis nach Japan. Als Wanderfalter kommt die Art in Europa nördlich bis zum Polarkreis vor. In Baden-Württemberg und im Kreis Böblingen kann die Art je nach Wetterlage praktisch überall gefunden werden.

 

 

Der Sackträger (Familie Psychidae)

Der Sackträger führt im Gegensatz zu vielen anderen Schmetterlingen ein recht unauffälliges Dasein. Bei den meisten Arten entwickelt sich nur das Männchen zu einem fertigen Falter, der fliegen kann. Bei anderen Arten (z.B. dem Dreikant-Zwergsackträger) gibt es nur Weibchen, die unbefruchtete Eier legen (sogenannte Jungfernzeugung). Es gibt auch einige wenige Arten, bei denen die Weibchen fliegen können.

Schon die Raupen umgeben sich mit dem namengebenden Gespinstsack, in welchen Pflanzenteile, Teile von Grashalmen, Blättchen, Rindenteile, Tannennadeln, Flechten, Algen, Sandkörnchen usw. eingesponnen werden. An der Form und dem Bau des Gespinstsackes kann man die Art erkennen. Auch die Verpuppung findet im Gespinstsack statt. Die Weibchen der meisten Arten bleiben nach der Verpuppung in dem Sack und locken mit Duftstoffen die Männchen an. Hierzu ragt der Hinterleib aus dem Sack heraus. Nach der Begattung legen die Weibchen ihre Eier im Sack oder in der Umgebung ab und sterben dann nach kurzer Zeit. Die ausschlüpfenden Jungraupen verwenden Teile des Raupensackes der Mutter für den eigenen Sack. Je nach Art weicht das Verhalten von der vorstehenden Beschreibung etwas ab.

flugunfähiges Weibchen      flugfähiges Männchen

Männchen sind selten zu entdecken, da sie nur sehr kurze Zeit fliegen und nach Erfüllung ihrer biologischen Funktion sterben (je nach Art zwischen März und Juli). Die Gespinstsäcke der Raupen oder der Weibchen sind jedoch während der warmen Jahreszeit fast überall gelegentlich zu finden. So zum Beispiel an Gräsern oder Blüten im Magerrasen oder in Feuchtwiesen, aber auch im Garten an Bäumen oder an Hauswänden. Eigentlich sind die Sackträger gar nicht so selten, man muß sie nur suchen und finden.

Sackträger an Hauswänden, die Bilder links und in der Mitte zeigen den Kleinen Rauch-Sackträger (Psyche casta), dies ist die häufigste Art in Baden-Württemberg und auch im Kreis Böblingen. Beide Aufnahmen stammen aus Böblingen.

Die Familie der Sackträger ist weltweit mit ca. 400 bekannten Arten verbreitet. Vermutlich sind aber viele Arten noch gar nicht entdeckt, so daß die wahrscheinliche Artenvielfalt deutlich größer ist. Im Kreis Böblingen sind sie regelmäßig in den unterschiedlichsten Biotopen zu finden. In Baden-Württemberg sind 8 Gattungen mit 32 Arten bekannt. Davon sind 11 Arten auch im Kreis Böblingen nachgewiesen (Quelle: Die Schmetterlinge Baden-Württembergs, Band 3, Ulmer-Verlag). Im Schwarzwald sind die Sackträger mit 24 Arten besonders häufig vertreten. Im Gegensatz zu vielen anderen Schmetterlingen, deren Artenvielfalt dort geringer ist.

Die Sackträger, insbesondere die Arten der Gattungen Narycia und Diplodoma mit flugfähigen Weibchen, gehören in die Verwandschaft der Motten. Die einzelnen Arten sind oft auch für Spezialisten schwer zu unterscheiden. Die Raupennahrung ist sehr vielfältig und kaum spezialisiert. Es wird an vielen verschiedene Pflanzenarten gefressen, auch Algen, Flechten, abgestorbene Pflanzenteile und sogar tote Tiere stehen bei manchen Arten auf dem Speißezettel. 

Unterschiedliche Formen der Sackträger-Hüllen, im Bild Mitte oben und rechts unten ragt unten der Hinterleib des Weibchens heraus. 




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