Schmetterling des Monats November

Der Admiral (Vanessa atalanta)

Der Admiral ist ein Wanderfalter, der ab Ende April, aber hauptsächlich ab Mitte Mai und im Juni jedes Jahr von Südeuropa nach Mitteleuropa einwandert. Dabei gibt es regelrechte Wanderkorridore, die regelmässig von einer grossen Anzahl von Faltern benutzt werden. Ab August gibt es eine Rückwanderung von Norden nach Süden. Im Oktober 2010 zum Beispiel konnte man an sonnigen Nachmittagen auch hier im Landkreis Böblingen recht viele Admirale beobachten, die zielgerichtet über Wiesen, Felder, Häuser und Wälder hinweg nach Südwesten zogen.

Als Wanderfalter kann der Admiral praktisch in jedem Lebensraum beobachtet werden. Der Falter nutzt eine grosse Anzahl von Nektarpflanzen. Im Spätsommer werden als Nahrungsquellen auch Fallobst, wie gärende Zwetschgen oder Birnen genutzt. Auch an Saftstellen verletzter Bäume und (nur von Männchen) an Tierkot wird gerne gesaugt. Neben Waldwegen und Obstwiesen ist der Admiral auch häufig in naturnahen Gärten zu sehen. Besonders gerne geht er auch an den Schmetterlingsstrauch oder Sommerflieder (Buddleja davidii). Die Raupe findet man vor allem an luftfeuchten, sonnigen bis halbschattigen Beständen der Grossen Brennnessel.

In Mitteleuropa entstehen je nach Höhenlage zwei bis (ausnahmsweise) vier Generationen von Nachkommen, weit im Norden stets nur eine Generation. Als Eiablage- und Nahrungspflanze für die Raupen dienen ausschliesslich Brennesseln. Daran verpuppen sich die Raupen auch, und zwar in einer von der Raupe gesponnenen Blatt-Tüte. Auch die Jungraupen leben in einer selbst gesponnenen “Tüte” eines Brennesselblattes, das sie durch Annagen des Stiels zum leichten Anwelken bringen und dadurch für die Raupe auch besser befressbar machen.

Ei eines Admirals auf Brennessel             Raupe eines Admirals

Blatt-Tüte einer Jungraupe                 Unterseite des Admirals

Etwa seit etwa 20 Jahren gelingt es dem Admiral immer besser, sich an das mitteleuropäische Klima anzupassen. Selbst nach relativ strengen Wintern, wie jenem von 2009 auf 2010, werden regelmässig Admirale beobachtet, die es schafften, bei uns im Falterstadium zu überwintern. Diese Tiere sind dann schon im zeitigen Frühjahr  zu beobachten.

Besonders bemerkenswert ist, dass Admirale nach neueren Forschungsergebnissen inzwischen sogar regelmässig versuchen, den Winter bei uns als Ei oder Jungraupe zu überstehen. In manchen Jahren schaffen es Eier oder Jungraupen tatsächlich, Kälte und Nahrungsmangel bis zum Frühjahr zu trotzen und sich dann mit dem Neuaustrieb der Brennnesseln zum Falter weiter zu entwickeln. Im Landkreis Böblingen ist ein solches Ei- und Jungraupen-Überwinterungsgebiet der warme Schönbuchtrauf zwischen Kayh und Herrenberg. Auch im Oktober 2010 konnten hier wieder einzelne frisch abgelegte Admiral-Eier gefunden werden. Man kann also sagen, dass der Admiral derzeit – vielleicht unterstützt durch die schleichende Klimaerwärmung – im Begriff ist, sich von einer reinen Wan­derfalterart zu einer heimischen, hier das ganze Jahr über anzutreffenden Falterart zu entwickeln.

Der Admiral ist weit verbreitet. Ausser in ganz Europa kommt er in Vorderasien, in Nordafrika, auf den Kanarischen Inseln, den Azoren und in Nordamerika vor. Wegen seiner weiten Verbreitung und Häufigkeit, jedoch auch wegen der Bindung an eine sehr häufige Raupennahrungspflanze, ist er nirgends ernsthaft gefährdet.

 



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