Schmetterling des Monats Mai

Der Weissklee-Gelbling (Colias hyale)

Ab Anfang Mai sind bei uns im Kreis Böblingen die ersten Falter des Weissklee-Gelblings, auch Goldene Acht genannt, zu beobachten. Die Jungraupe hat auf ihrer Nahrungspflanze, meistens kleine, schmächtige Exemplare von Klee-Arten, überwintert.                                                                                                          Im Laufe des Jahres entwickeln sich drei Generationen des Falters. Die zweite Generation erscheint ab Mitte Juli, die dritte fliegt im September und Oktober. Wegen der Verluste über den Winter sind die Falter der zweiten und dritten Generation wesentlich häufiger zu beobachten als jene der Frühlingsgeneration.

Der auffällige Falter ist in allen Offenland-Biotopen anzutreffen, da er weite Strecken fliegt. Er gehört zu den Wanderfaltern, die innerhalb ihres Verbreitungsgebietes Binnenwanderflüge unternehmen. Die Geschlechter unterscheiden sich deutlich: Während das Männchen auch auf den Flügel-Oberseiten blassgelb ist, zeigt das Weibchen eine weisslich-cremefarben Oberseite (siehe Foto Balzverhalten; Weibchen unten).

                                                       Weissklee-Gelbling bei der Balz

Vor allem die zweite und dritte Generation ist im Kreis Böblingen in allen Wiesengebieten, auf Klee- und Luzerneäckern, aber auch in Magerrasen zu beobachten. In Letzteren sind die Falter allerdings nicht vom nahe verwandten Hufeisenklee-Gelbling (Colias alfacariensis) zu unterscheiden, der auf den Namen gebenden Hufeisenklee und die Bunte Kronwicke spezialisiert ist. Erst die deutlich buntere Raupe (siehe Foto) und ihr viel engeres Nahrungsspektrum zeigen, dass es sich um eine andere Art handelt.

Zur Eiablage wählen die Gelblings-Weibchen ausschliesslich Wirtspflanzen klimatisch besonders begünstigten Kleinstandorten aus. Mitunter handelt es sich um geradezu „lebensgefährliche“ Plätze, wie etwa der schütter bewachsene Mittelstreifen unbefestigter Erdwege, ansonsten z.B. um plattgewalzte Maulwurfshügel, nach der Mahd liegen gebliebene Heureste, ehemalige Feuerstellen (Foto) oder durch Traktorreifen verursachte Bodenverwundungen. Solche „Störstellen“ werden vom Laien oft als Schäden an der Natur wahr genommen, sind für viele der in Wiesen und Weiden lebenden Arten jedoch ein wichtiger Bestandteil des Lebensraums.

 

Eiablageplatz des Weissklee-Gelblings

 

Die Eier werden stets auf die Blattoberseite abgelegt und sind mit etwas Übung vor allem im Spätsommer leicht zu finden. Das frisch abgelegte Ei sieht aus wie ein kleiner Kegel. Es ist zunächst weisslichgelb, verfärbt sich nach einigen Tagen orange und wird kurz vor dem Schlupf der Jungraupe dunkelgrau. Im Landkreis Böblingen sind die wichtigsten Eiablage- und Raupennahrungspflanzen der namengebende Weissklee, der Gewöhnlicher Hornklee, Saat- und Hopfenluzerne sowie Esparsette. Seltener findet man die Eier auch an Bunter Kronwicke, Hufeisenklee, Rot- und Mittelklee. Die aus den Eiern schlüpfende Raupe ist zunächst fast schwarz, in allen späteren Stadien dagegen grün. Ausgewachsen hat sie an beiden Flanken eine Seitenlinie, in der helle mit gelben oder orangefarbenen Abschnitten wechseln (siehe Foto). Die Raupe des verwandten Hufeisenklee-Gelblings hat dagegen zusätzlich zwei gelbe Rückenlinien und schwarze Flecken (siehe Foto). Die Puppen beider Gelblingsarten lassen sich dagegen – wie die Falter – nicht sicher voneinander unterscheiden. Wie bei allen Weisslingen handelt es sich um eine sogenannte „Gürtelpuppe“ von überwiegend grüner Färbung, die in der Wiesenvegetation bestens getarnt und nahezu unauffindbar ist.

 

Raupe des Weissklee-Gelblings (links) und des Hufeisenklee-Gelblings (rechts)

Als Nektarquelle dient den Faltern eine breite Palette der zur Flugzeit blühenden Wiesenblumen. Besonders beliebt sind Wiesen-Knautie, Wiesen-Flockenblume, Taubenskabiose, Rotklee und Luzerne.

 

Wie bei vielen Tagfalterarten unterliegen die Bestände starken Häufigkeitsschwankungen. In warmen und eher trockenen Jahren entwickelt sich die Art mitunter derart zahlreich, dass man die Weibchen im Spätsommer sogar auf den Zierrasen von Wohngebieten bei der Eiablage an Weissklee beobachten kann (z. B. 2003). In regenreichen Jahren, wie 2010, fliegt dagegen selbst die zweite und dritte Generation nur spärlich oder tritt in manchen Wiesengebieten überhaupt nicht in Erscheinung.

Der Weissklee-Gelbling besiedelt die klimatisch gemässigte Zone Westeuropas bis nach Mittelasien. Die Art fehlt in Grossbritannien, dem Mittelmeerraum und auf der Balkanhalbinsel. Die Art ist noch nicht gefährdet, steht jedoch wegen zunehmender Intensivierung gerade der mittleren Grünlandstandorte auf der sogenannten Vorwarnliste.

Der C-Falter (Nymphalis c-album),

Der C-Falter hat seinen Namen von einer kleinen C-förmigen Zeichnung auf der Unterseite seiner Hinterflügel. Er kommt im ganzen gemäßigten Europa und im Mittelmeerraum bis nach Kleinasien vor. In den offenen Waldwiesentälern des Schönbuchs und des Glemswaldes, aber auch in den Wäldern der trockenen Gäulandschaften ist die Art allgemein verbreitet und recht häufig. Sogar außerhalb des Waldes kann man den C-Falter in gehölzreichen Biotopen beobachten, so etwa in Streuobst- und Heckengebieten, ja selbst in naturnah gestalteten Gärten. Weil sich der Falter in nährstoffreichen und weit verbreiteten Lebensräumen der normalen Kulturlandschaft entwickeln kann und auch keine seltenen Nahrungspflanzen benötigt, ist der Bestand in ganz Deutschland ungefährdet. Durch seine auffallend gezackten Flügelränder ist der C-Falter von anderen Edelfalter-Arten gut zu unterscheiden.

Die ersten C-Falter erscheinen, sobald es im Frühjahr warm genug wird. An sonnigen März-Tagen besetzen die Männchen ihre Reviere an windgeschützen Wald- und Gebüschrändern, um dort auf noch unbegattete Weibchen zu warten. Andere vorbeifliegende Insekten, wie kleine Füchse oder Erdhummeln, werden von ihnen attakiert und vertrieben. Weibliche C-Falter sieht man im Frühjahr dagegen oft bei der Nektaraufnahme an den blühenden “Kätzchen” der Salweide. Die Flügel-Unterseite dieser Generation ist dunkel, so dass sich das namengebende weiße C beim Sitzen mit zusammengeklappten Flügeln deutlich abhebt.

 

Bis Mitte Mai legen nun die Weibchen der Überwinterer ihre Eier ab. Sie wählen dazu vor allem frische, nährstoffreiche Triebe der Salweide, aber auch Hasel, Ulme und einige weitere Gehölzarten. Die Raupe ist durch ihre etwas an Vogelkot erinnernde Rückenzeichnung gut getarnt. Sie verpuppt sich im Frühsommer und bildet ab Ende Juni die neue Generation des C-Falters, deren Flügel-Unterseite jetzt heller und mit verschiedenen Brauntönen gefleckt ist. Diese Sommer-Generation fliegt bis Ende Juli. Im Unterschied zu den Überwinterern legen die Sommerfalter ihre Eier vor allem an jungen Brennessel-Trieben ab, die im Sommer eine bessere Nahrungsquelle für die Raupen liefern als die jetzt harten Blätter der im April mit Eiern belegten Gehölze. Als Nahrungspflanzen der Raupen dienen also im Frühjahr die dann zarten Blätter von Gehölzarten, während die Raupen der Sommer-Generation hauptsächlich von der Brennessel leben. Die Nachkommen der Sommer-Generation schlüpfen im Spätsommer oder Herbst und suchen im Laufe des Oktobers ihre Winterquartiere auf. Im Unterschied zum verwandten Tagpfauenauge kommen sie im Winter nicht in menschliche Behausungen, sondern wählen Baumhöhlungen oder Holzstöße als Unterschlupf.

 

 



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