Schmetterling des Monats März

Der Keine Fuchs (Nymphalis urticae)

Der Kleine Fuchs gehört im März zu den ersten Frühlingsboten. Da der Falter aber als erwachsenes Tier überwintert hat, wirken die ersten Exemplare oft etwas ausgebleicht. Den Winter verbrachten sie an geschützen Stellen, wie in Baumhöhlen, Erdspalten, Holzstapeln, Kanalisationen, oder auch in ungeheizten Gebäuden, wie Schuppen oder Dachböden. Manchmal geraten sie auf der Suche nach einem Winterquartier auch in Wohnhäuser, wo sie jedoch sterben, sobald sie von den Bewohnern in gutgemeinter Absicht ins Warme gebracht werden.

 

Der Kleine Fuchs ist noch weit verbreitet und ungefährdet. Als Falter kann man die Art fast überall in offenen und halboffenen Lebensräumen antreffen. Am regelmäßigsten sieht man sie an Waldrändern, in strukturreichen Acker- und Wiesengebieten, in Streuobstgebieten sowie in offenen Wäldern. Sehr beliebt sind für die Falter auch Gärten, in denen sie in guten Flugjahren zahlreich beim Blütenbesuch beobachtet werden können, so zum Beispiel an blühendem Sommerflieder. Maßgebend für das Vorkommen der hochspezialisierten Art ist jedoch das Vorkommen ihrer einzigen Raupennahrungspflanze, der Großen Brennessel. Dabei dient keineswegs jede “x-beliebige” Brennessel als geeigneter Raupenplatz. Vielmehr suchen die Weibchen für die Eiablage ganz gezielt nach gut besonnt und lufttrocken stehenden Brennesseln, so etwa Bestände an Feldrainen in südexponierter Hanglage oder an trockenen Grabenböschungen. Beschattete oder halbschattige Brennesseln, die von anderen Tagfaltern zur Eiablage bevorzugt werden, sind für den Kleinen Fuchs nicht interessant.

Direkt nach der Überwinterung besetzen die Männchen “Reviere”, die gegen Artgenossen und andere Tagfalter verteidigt werden. Meist handelt es sich um einen eng begrenzten, gut besonnten Bereich an einem Waldrand oder entlang eines südexponierten Gebüschrandes mit lückiger oder kurzrasiger Bodenvegetation. Hier erwarten die Männchen ihre Weibchen.

Paar bei der Balz

Ab März findet die Paarung in den späten Nachmittags- oder Abendstunden statt. Anschließend machen sich die Weibchen auf die Suche nach einem geeigneten Brennesselbestand (s. oben). Dort legen sie ihre Eier in großen Gruppen - so genannte “Eispiegel” - an den Blattunterseiten von besonnten Jungtrieben ab. Dort sind dann alsbald auch die Raupen zu finden. Alte und beschattete Brennesselbestände werden gemieden. Deshalb ist das Abmähen von alten Brennesseln im Sommer durchaus keine Gefährdung, sondern von großem Vorteil für den Kleinen Fuchs. Denn erst wenn die gemähten Bestände wieder frisch nachtreiben, sind sie für die Weibchen der Sommergeneration wieder zur Eiablage geeignet. Wichtig ist aber, daß Brennesselbestände nicht öfter als zweimal pro Jahr gemäht werden, damit sich Nesselfalterraupen - auch anderer Arten - erfolgreich entwickeln können.

Weibchen bei der Eiablage                        Raupen auf Großer Brennessel

Im Juni und Juli fliegt dann die Sommergeneration, die Nachkommen der Falter, die überwintert hatten. Die Nachkommen der Sommergeneration fliegen dann wieder ab August und überwintern bis zum nächsten Frühjahr.

Der Kleine Fuchs gehört im Prinzip zwar zu den häufigsten Schmetterlingsarten Deutschlands. Die Häufigkeit der Falter schwankt aber über die Jahre hinweg ganz erheblich. So gibt es Jahre mit sehr vielen Faltern und solche, in denen der Kleine Fuchs zur ausgesprochenen Seltenheit wird. Im Jahre 2009 ist der Bestand in Mitteleuropa schlagartig fast flächendeckend zusammengebrochen. Auch 2010 flogen nur sehr wenige Falter. Die Ursachen solcher flächendeckenden Zusammenbrüche sind noch weitgehend unerforscht. Es wird vermutet, dass Parasiten und Witterungseinflüsse in einem komplizierten Wechselspiel dafür verantwortlich sind. Unzweifelhaft ist, dass der Kleine Fuchs kein Tier der Wärmegebiete ist, sondern sich in niederschlagsreichen und eher kühlen Gebirgs- und Küstenregionen am wohlsten fühlt. Ein deutliches Zeichen hierfür ist, dass Gebirgs- und Küstenregionen von den großräumigen Zusammenbrüchen weitghend verschont bleiben. Vor diesem Hintergrund ist es auch möglich, dass sich die schleichende Klimaerwärmung negativ auf die so anpassungsfähig erscheinenden Falter auswirkt. 

Der Kleine Fuchs ist in ganz Europa und den gemässigten Zonen Asiens bis nach Japan verbreitet. Auch in Baden-Württemberg kommt er in allen Landesteilen vor, ist in Wärmegebieten, wie dem südlichen Oberrhein und dem Kaiserstuhl, jedoch von beständiger Zuwanderung abhängig.

Eine verwandte Art ist der Große Fuchs (Nymphalis polychloros). Auch er kommt im Kreis Böblingen verbreitet, jedoch in stark schwankender Häufigkeit, vor. Besonders zahlreich zu beobachten waren Große Füchse zwischen 2004 und 2007, aber auch aus  den Jahren 2009 und 2010 liegen eine ganze Reihe an Nachweisen aus dem Kreisgebiet vor. Sein bevorzugter Lebensraum sind offene Wälder, Waldränder sowie Streuobstbestände mit Kirschbäumen. Seine Raupennahrungspflanzen sind bei uns vor allem Salweiden, Ulmen und Kirschbäume.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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