Schmetterling des Monats Juni

Der Schronsteinfeger (Aphantopus hyperantus)


Ab Ende Juni sind bei uns im Kreis Böblingen in vielen Lebensräumen des Wald- und Offenlandes die braungefärbten, recht unauffälligen Falter des Schornsteinfegers zu beobachten. Wenn sie sich hin setzten, bleiben die Flügel fast immer geschlossen.


Den typischen Raupenlebensraum dieses Augenfalters bilden frische bis mäßig feuchte, relativ nährstoffreiche Grasfluren mit einer gut ausgeprägten Streuschicht. In aller Regel handelt es sich dabei um vergraste Waldlichtungen, Grünlandbrachen oder selten gemähte Säume des Offenlandes, wie etwa Stufenraine, Bahn- und Straßenböschungen oder selten gemähte Gebüschränder. Wiesen können vom Schornsteinfeger nur dann zur Fortpflanzung genutzt werden, wenn sie erst spät im Jahr (ab August) oder in nur mehrjährigem Abstand gemäht werden. Die Raupe ernährt sich ausschließlich von Gräsern und akzeptiert dabei eine relativ große Zahl der häufigen nährstoffliebender Arten.


Der Falter besucht zur Nektaraufnahme gerne violette Blumenköpfchen, wie jene von Acker-Kratzdistel, Flockenblumen, Skabiosen und Witwenblumen. Ebenso werden violett blühender Dost sowie weiß blühende Umbelliferen an Wegrändern besucht. Aber auch andere Blüten stehen auf seinem Speisezettel.

 

 

 

Die Eiablage findet nur in hohen, ungemähten Grasbeständen statt, die zumindest mäßiger Besonnung ausgesetzt sein müssen. Das weißliche Ei wird dabei vom Weibchen auf einem Grashalm sitzend einfach auf den Boden fallen gelassen. Dort schlüpfen dann im Hoch- und Spätsommer die Raupen, die aufgrund ihrer überwiegend nachtaktiven Lebensweise selbst von aufmerksamen Naturbeobachtern kaum gefunden werden. Die Jungeraupe überwintert am Boden unter der Streuschicht. Bodennah findet im Mai dort auch die Verpuppung statt. Wie bei den meisten Augenfaltern verwandelt sich die ausgewachsene Raupe eine frei hängende, sogenannte „Stürzpuppe“.


Der Schornsteinfeger ist vielerorts einer unserer häufigsten Tagfalter. Nur in völlig strukturarmen Wiesen- und Ackerbaulandschaften ohne Brachen oder Säume sowie in dichten Waldgebieten ohne Schneisen und Lichtungen sucht man ihn meist vergeblich. Weil nährstoffreiche Brachen in unserer Gegend jedoch häufig sind, lokal sogar zunehmen, ist die Art im Landkreis Böblingen nicht gefährdet. In Baden-Württemberg kommt der Schornsteinfeger in allen Landesteilen vor. Sein Verbreitungsgebiet reicht von Mitteleuropa bis in die gemäßigten Zonen Asiens. Weil es die Raupe nicht allzu warm und trocken mag, fehltdie Art jedoch in Italien und im übrigen Mittelmeerraum.

 

 

Der Randring-Perlmuttfalter (Boloria eunomia),

Der Randring-Perlmuttfalter lebt nur auf Feuchtbrachen mit größeren Vorkommen seiner Raupennahrungspflanze Wiesenknöterich, die zugleich die wichtigste Nahrungsquelle der Falter ist. In seinem Lebensraum kann er aber mit hoher Individuendichte siedeln und deswegen manchmal auch auf überraschend kleinen Flächen überleben.

        

        Feuchtbrache mit Wiesenknöterich bei Böblingen

In der Roten Liste der Bundesrepublik wird er mit Status 2 geführt (stark gefährdet), in Baden-Württemberg ist die Art gefährdet. Die Verbreitungskarte in Baden-Württemberg weist erhebliche Lücken auf und die Abstände zwischen den einzelnen Vorkommen sind oft schon zu groß. Außerhalb der beiden Hauptverbreitungsgebiete im Schwarzwald und in Oberschwaben gibt es eine kleine Populationsgruppe im Viereck Sindelfingen - Grafenau-Dätzingen - Aidlingen - Tübingen. In diesem Raum sind derzeit noch rund ein Dutzend Vorkommen des Randring-Perlmuttfalters bekannt. Etwas mehr als die selbe Anzahl an Populationen ist hier seit den 1980er-Jahren verschwunden (Gründe siehe unten).

Während der Flugzeit des Falters ab Ende Mai kann man bei sonnigem Wetter oft viele Exemplare bei der Nahrungssuche und beim Hochzeitsflug beobachten. Die Falter setzen sich dabei fast ausschließlich auf die Blüten des Wiesenknöterichs. Selbstverständlich finden sich in solchen Biotopen dann auch regelmäßig Jäger ein, wie zum Beispiel Hornissen, die den Faltern nachstellen.

Randring-Perlmuttfalter auf Wiesen Knöterich

Von Hornisse erbeuteter Randring-Perlmuttfalter

Die Eier werden vom Weibchen grüppchenweise an die Unterseite von Wiesenknöterichblättern im bodennahen Bereich zwischen der Streu abgelegt. Eiablagen finden jedoch nur an gut besonnten Stellen statt, also nicht im Schatten von Büschen oder Bäumen. Die Raupen überwintern in der Streuschicht der Feuchtbrachen und verpuppen sich dann im nächsten Frühjahr. Gemähte Feuchtwiesen ohne Streuschicht werden von den Faltern zwar mitunter zur Nektaraufnahme mitgenutzt, sind für die Raupenentwicklung jedoch ohne Bedeutung. Vermutlich spielt die Streuschicht für die erfolgreiche Überwinterung der Jungraupen eine entscheidende Rolle als “Temperaturpuffer”.

Die Hauptgefährdung für diese Falterart besteht heutzutage darin, daß sich in den

Feuchtbrachen im Lauf der Zeit Weidenbüsche, Schwarzerlen oder dichte Schilfröhrichte ansiedeln, die den Lebensraum des Randring-Perlmuttfalters nach und nach beschatten und dadurch vernichten. Die Habitate dieser Falterart sollten deshalb in mehrjährigen Abständen vollständig entbuscht, nicht aber gemäht werden. Keinesfalls sollten feuchte Brachflächen mit Bäumen und Gebüschen bepflanzt oder zur Anlage von Tümpeln genutzt werden, wie leider machmal in gutgemeinter Absicht durch Naturschützer geschehen.

Weltweit kommt der Randring-Perlmuttfalter inselartig in ganz Europa, Sibirien und  in Alaska vor.

Hinweis: In unserer Region kommen noch acht weitere Perlmuttfalter-Arten vor, die nicht alle so selten sind. Sie unterscheiden sich durch Details ihrer Flügel-Zeichnung, andere Raupennahrungspflanzen und andere Lebensräume.

 



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