Schmetterling des Monats Juli

Der Schachbrettfalter (Melanargia galathea)


Ab Mitte Juni fliegt der Schachbrettfalter vor allem auf Magerrasen in großen Stückzahlen. Er ist aber auch in vielen anderen Lebensräumen anzutreffen, wie z.B. Waldschneisen, in Wiesengebieten, an Wegerändern und auf Brachflächen. Voraussetzung für sein Vorkommen sind spät im Jahr oder gar nicht gemähte Grasbestände in direkter Nachbarschaft zu ergiebigen Nektarquellen.


 

Durch seine auffällige Schwarz-Weiß-Zeichnung ist er unverwechselbar. Die Weibchen lassen sich von den Männchen durch die mehr bräunliche oder gelbliche Färbung der Hinterflügel-Unterseite gut unterscheiden, wie das nachfolgende Bild einer Kopulation zeigt.


 

Das Schachbrett nutzt als Falter eine große Anzahl von Nektarpflanzen. Klar bevorzugt werden jedoch violettfarbene Korbblütlerarten. Das sind bei uns vor allem Skabiosen- und Wiesen-Flockenblume, Acker- und Wald-Witwenblume, Tauben-Skabiose und Kratzdistel-Arten. Insgesamt sind aber über 60 Nektarpflanzen bekannt.


Die kalkweißen Eier werden in unbeschatteten Altgrasbeständen abgelegt und vom Weibchen auf einem Grashalm sitzend einfach auf den Boden fallen gelassen. Bei den Eiablage- und Larvallebensräumen handelt es sich stets um magere Grasfluren frischer bis trockener Standorte. Diese werden jedoch nur dann zur Eiablage ausgewählt, wenn das Gras zur Flugzeit noch ungemäht ist und mindestens 30 cm hoch steht. Häufig handelt es sich bei den Eiablagestellen um grasige Böschungen, schmale Grasstreifen entlang von Zäunen, Gräben und Gebüschen oder sehr kleine Flurstückszwickel, die zufällig oder zur Arbeitsersparnis vom Mähen ausgenommen blieben. Eine typische Eiablagestelle in einer Streuobstwiese ist auf dem Foto unten zu sehen. In den kurz beweideten Kalkmagerrasen des Heckengäus werden die Eier gerne an Grasstellen im Schutz von niedrigem Dorngebüsch abgelegt, die den Schafen nicht zugänglich waren und deshalb nicht abgefressen wurden. In extensiv genutzten Rinderweiden erfolgt die Eiablage an sogenannten „Geilstellen“. Es handelt sich um Grasbestände um ehemalige Kuhfladen, die von den Rindern stehen gelassen werden. 

 

Kompletter Lebensraum des Schachbretts in einer spät gemähten Streuobstwiese: Die Wiesen-Flockenblumen dienen den Faltern zur Nektaraufnahme. Die zur Flugzeit noch ungemähten Altgrasbestände werden von den Weibchen zur Eiablage genutzt.

 

Eher selten beobachtet man Eiablagen auch in Wiesen, die bereits Anfang Mai gemäht wurden und zur Flugzeit im Juli wieder in ausreichender Höhe nachgewachsen sind. Oftmals handelt es sich bei den früh gemähten Wiesen jedoch um Intensivgrünland, das regelmäßig gedüngt wird (Mineraldünger, Gülle). Gegen Düngung ist das Schachbrett jedoch sowohl im Raupen-, wie auch im Falterstadium hoch empfindlich.

 

 

 

Die Raupen ernähren sich von einer Vielzahl heimischer Grasarten, sie verschmähen jedoch die meisten der hoch produktiven Fettgräser gedüngter Standorte. Besonders beliebte Nahrungsgräser sind bei uns Aufrechte Trespe, Schaf- und Rotschwingel.

Die zuletzt genannte Grasart wird im Landkreis Böblingen oft an neu angelegten Straßenböschungen als Erosionsschutz angesät. Gleichzeitig wachsen auf solchen Böschungen stets große Bestände der Acker-Kratzdistel, die vom Schachbrett sehr gerne als Nektarpflanze angenommen wird. Werden solche Böschungen jährlich nur einmal (ab Mitte Juli) oder gar nicht gemäht, so kann sich schon in wenigen Jahren ein großer Schachbrettbestand darauf entwickeln. Zumeist bepflanzt man die Böschungen jedoch mit Büschen oder Bäumen. Sobald diese Gehölze die für das Schachbrett wichtige Bodenvegetation beschatten, verschwindet die Art wieder von den Straßenböschungen.


Die im Juli oder August aus dem Ei schlüpfende Jungraupe wächst im Herbst nur langsam. Mit einer Größe von nur wenigen mm überwintert sie am Boden unter der Grasstreu. Mit dem Neuaustrieb ihrer Nahrungsgräser beginnt sie ab März wieder zu fressen. Dabei ist die Schachbrettraupe streng nachtaktiv, weshalb sie vom tagaktiven Naturbeobachter trotz ihres oft massenhaften Vorkommens nicht wahrgenommen wird. Sie tritt in einer braunen und einer grünen Farbmorphe auf, die man auf den ersten Blick für Raupen zweier verschiedener Arten halten könnte. Im Frühjahr wachsen die Raupen aufgrund der jetzt optimalen Futterqualität recht schnell, um schließlich mit einer Größe von rund 3 cm die Verpuppungsreife zu erreichen. Die Verpuppung findet an einem Grasbüschel in einem aus Graspartikeln zusammengesponnenen Gespinst statt.


Da der Falter viele verschiedene Biotope und Pflanzenarten nutzen kann, ist er in den meisten Teilen unseres Landkreises noch häufig und nicht gefährdet. Er ist jedoch auf selten gemähte, oft etwas “ungepflegt” wirkende Flächen angewiesen. In struktur- und artenarmen, schon früh im Jahr gemähten Fettwiesen sowie in gründlich gepflegten Grünanlagen der Städte und Ortschaften findet er deshalb keine Lebensgrundlagen.

 


Sowohl in Baden Württemberg als auch in ganz Deutschland ist der Schachbrettfalter noch nahezu flächendeckend verbreitet. Im Norden nimmt er derzeit deutlich zu und siedelte sich in einigen Regionen neu an, denen er bislang noch fehlte. Man nimmt an, dass die leicht wärmebedürftige Art von der schleichenden Klimaerwärmung profitiert. Weltweit ist die Art von Mitteleuropa einschließlich Südengland bis in die Kaspische Region verbreitet. Im Mittelmeerraum wird der Schachbrettfalter durch mehrere verwandte Arten ersetzt, die “unseren” Schachbrett recht ähnlich sehen.

 

Der Storschschnabel-Bläuling (Polymmatus eumedon),

Der Storchschnabel-Bläuling lebt im Kreis Böblingen entlang von gut besonnten Gewässerrändern und auf feuchten Brachflächen mit Vorkommen des Sumpf-Storchschnabels (Geranium palustre), viel seltener auch des Wiesenstorchschnabels (Geranium pratense).
Diese Lebensräume sind jedoch oft nur wenige Meter breit und dadurch auch besonders bedroht. In einem günstigen Habitat kann der Falter jedoch auch auf kleiner Fläche in größerer Individuenzahl präsent sein. In der Schönbuchlichtung sind derzeit noch fünf Vorkommen bekannt, im gesamten Landkreis sechs. Zu Beginn der 1990er-Jahre flog die Art im Landkreis noch an rund 20 verschiedenen Stellen.

Flügel-Unterseite(Männchen)

Flügel-Oberseite(Männchen)

Der Storchschnabel-Bläuling befliegt bei uns bevorzugt die Blüten des Sumpf-Storchschnabels, deutlich seltener - und nur auf Brachflächen in ungemähten Säumen - wird auch der Wiesen-Storchschnabel mitgenutzt. Beide Storchschnabel-Arten
dienen sowohl als Nahrungspflanze der Raupe wie auch als Nektarquelle der Falter. Die kleinen weißen Eier werden in der Mitte der Blüte am sogenannten “Blütengriffel” abgelegt. Dort kann man sie mit etwas Übung unschwer finden und dadurch auch bei schlechtem Wetter erkennen, ob eine Population des Falters existiert.

 

Für das Überleben des Storchschnabel-Bläulings ist es zwingend notwendig, daß die Storchschnabel-Bestände auf Brachen und an den Gewässerrändern nicht oder allenfalls in mehrjährigen Abständen gemäht werden.Die Raupe lebt in der bodennahen Streuschicht und überwintert auch dort.  Storchschnabelbestände, denen eine Streuschicht aus dünnen Stauden und Gräsern wegen regelmäßiger Mahd fehlt, werden auch dann nicht besiedelt, wenn die Nahrungspflanzen sehr häufig vorkommen. Ebenso wichtig ist es, daß die Gewässerränder und Brachen mit dem Sumpf- oder Wiesen-Storchschnabel schattenfrei bleiben. Sobald die Pflanzen durch Hecken oder Bäume beschattet sind, werden dort keine Eier mehr abgelegt. Deshalb sollte auf das gut gemeinte Bepflanzen von Bach- und Grabenrändern mit Weidenstecklingen und anderen Gehölzen verzichtet werden. Denn häufig werden dadurch gefährdete Schmetterlingsarten stark beeinträchtigt, aber auch hochgradig gefährdete Brutvögel des Offenlandes, wie Kiebitz und Braunkehlchen. Bei Schönaich erlosch ein Vorkommen den Storchschnabel-Bläulings, nachdem der Ufersaum im Rahmen einer Bachrenaturierung dicht mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt wurde. Der Storchschnabel-Bläuling ist nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt und steht auf der bundesweiten Roten Liste in Kategorie 2 (stark gefährdet). Die bekannten Vorkommen können nur durch gezielte Pflege erhalten werden, indem die Gewässerränder nicht gemäht werden und der Gehölzaufwuchs regelmäßig entfernt wird.Aus Naturräumen mit winterkälterem Klima ist bekannt, daß der Storchschnabel-Bläuling auch auf Trockenrasen mit Blutstorchschnabel (Geranium sanguineum) lebt (Obere Donau, Taubertal). Dies trifft jedoch für den Kreis Böblingen nicht zu, obwohl diese Nahrungspflanze am Schönbuchtrauf sehr häufig vorkommt. Der Storchschnabel-Bläuling lebt in ganz Europa in teilweise inselartigen Vorkommen. Im Norden bis Lappland und im Südosten bis in die Türkei. Im Süden sind die Vorkommen auf die Gebirge beschränkt.Auch in Deutschland wird die Art in neuerer Zeit zunehmend in die kälteren Gebirgsregionen zurückgedrängt. Schmetterlingsforscher vermuten, daß ihr allmähliches Verschwinden aus tiefen und mittleren Lagen nicht allein die Folge des dortigen Lebensraumschwundes ist, sondern durch die schleichende Klimaerwärmung massiv verstärkt wird. Vermutlich ist die Raupe hoch empfindlich gegenüber starken Temperaturschwankungen während des Winters. Dies könnte die schon erwähnte Wichtigkeit einer dicken Streuschicht erklären, welche bei winterlichen Wäremeinbrüchen als ”Temperaturpuffer” wirkt.



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