Schmetterling des Monats Januar

 

Der Kleine Eisvogel (Limentis camilla)

 

Der Kleine Eisvogel trägt seinen Namen zu recht, denn er liebt die Kälte. Während seiner Flugzeit von Juni bis Anfang August ist er regelmäßig nur an kühlen und schattigen Stellen von Wäldern mit hoher Luftfeuchtigkeit, meist in Tallagen und gerne entlang von Bachauen, zu finden. Er fliegt aber auch in trockenen Laubmischwäldern. Dort befinden sich die Raupenplätze an den kühlsten Stellen im Unterholz und in Geländesenken.

Das Weibchen legt seine Eier bei uns fast ausschließlich an der Roten Heckenkirsche ab, jedoch nur dort, wo die Büsche ganztägig im Schatten stehen. In anderen Regionen werden auch Wald-Geißblatt, Schwarze Heckenkirsche und Schneebeere als Wirtspflanze für die Raupe genutzt. Ab etwa Mitte Juli sind die jungen Raupen zu finden. Sie fressen an den Blättern der Roten Heckenkirsche und fallen hier durch eine Besonderheit auf, die für sämtliche Eisvogelarten - einschließlich jener in Asien und Nordamerika - charakteristisch ist: Am von der Spitze her angefressenen Blatt lassen sie die Mittelrippe stehen und verlängern diese durch Kotbällchen zur sogenannten “Kotrippe”. Darauf ziehen sie sich zur Ruhe zurück. Man vermutet, dass dieses spezielle Verhalten den Raupen einen gewissen Schutz vor Fressfeinden, wie z.B. Ameisen, bietet. Trotzdem findet man schon ab Ende Juli viele unbesetzte Kotrippen, deren Erbauerinnen bereits anderen Tieren zum Opfer gefallen sind.

Die bis zum Herbst überlebenden Raupen ziehen sich ab September in ein vorher zurechtgenagtes, zumeist tütenförmig gefaltetes Blatt zurück. Der Stiel des betreffenden Blattes wird am Zweig durch Spinnfäden befestigt. Damit fällt dieses Blatt im Winter nicht ab wie fast alle anderen Blätter. Außerdem gibt die Raupe einen Teil ihrer Körperflüssigkeit ab und schrumpft. Gegen den Frost schützt sie sich durch eine Art Frostschutzmittel. Wenn man weiss, wo man suchen muss, findet man solche sogenannte “Hibernacula” in den Wintermonaten regelmäßig in den Lebensräumen des Kleinen Eisvogels. Ganz selten vergessen die kleinen Räupchen auch einmal, sich ein solches Überwinterungsgehäuse zu bauen und überwintern dann offen auf einem am Zweig festgesponnenen Blatt sitzend. Die Räupchen sind im Winter rötlichbraun gefärbt, bestachelt und ca. 3 - 4 mm lang.

Jung-Raupe auf der Kotrippe (August)      Raupe im Hibernaculum (Januar)

Sobald die Wirtspflanze im April mit dem Austrieb der Blätter beginnt, verlassen die Raupen ihr Hibernaculum. Vorher sind sie durch Wasseraufnahme schon wesentlich größer geworden als im Winter. Die Raupen werden nach der nächsten Häutung grün und wachsen jetzt sehr rasch. Zwischen Anfang und Mitte Juni hängt sich die Raupe mit dem letzten Beinpaar an einem Spinnpolster fest und verwandelt sich in eine sogenannte Stürzpuppe. Diese Puppenform ist für alle Edelfalterarten charakteristisch. Wir finden sie auch z.B. bei Admiral, Distelfalter und Tagpfauenauge.  

Der Kleine Eisvogel ist noch in allen Waldgebieten des Landkreises Böblingen an den geeigneten Stellen zu finden. Der erwachsene Falter saugt gerne an feuchter Erde, die Männchen auch oft an auf Waldwegen liegenden Pferdeäpfeln oder an Aas. Im Gegensatz zum verwandten Schillerfalter besuchen die Kleinen Eisvögel auch gerne Blüten. Sie bevorzugen dabei weiße oder violette Blüten von Doldenblütlern, Schafgarben, Liguster, Disteln oder Witwenblumen. Mit etwas Geduld kann man sie an warmen Sommertagen gut in ihren Lebensräumen beobachten.

Der Kleine Eisvogel hat ein relativ großes weltweites Verbreitungsgebiet. Die Art kommt in ganz Mitteleuropa vor, sowie im Süden der Britischen Inseln. Im Norden reicht das Areal bis Südschweden, im Osten über die gemäßigte Zone Asiens bis nach Japan.   

Fast überwinterungsreife Raupen auf der Kotrippe (September)

Raupe beim Bau des         Raupe im Frühjahr kurz vor der Verpuppung     

Hibernaculums

In Deutschland hat der Kleine Eisvogel zwei nahe Verwandte: Der Große Eisvogel (Limentis populi) ist im Kreis Böblingen leider seit dem Beginn der 1990er Jahre  ausgestorben.  Man findet ihn in Baden-Württemberg heute nur noch im mittleren und südlichen Schwarzwald. Auf der Schwäbischen Alb kommt noch an einigen Stellen der Blauschwarze Eisvogel (Limentis reducta) vor, der zwar auch die Rote Heckenkirsche als Futterpflanze nutzt, aber wärmere und besonnte Standorte bevorzugt. Diese Art ist auch in den Mittelmeerländern weit verbeitet und dort teilweise häufig.



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