Schmetterling des Monats Februar

Der Große Schillerfalter (Apatura iris)

Der Große Schillerfalter trägt seinen Namen wegen seiner je nach Lichteinfall lebhaft blau oder dunkelgrau schillernden Flügeldecke. Jedoch auch die Unterseiten der Flügel sind bunt gefärbt.

Raupennahrungspflanze des Großen Schillerfalters ist bei uns hauptsächlich die Salweide. Der Falter reagiert sehr stark auf Düfte. So ist immer wieder zu beobachten, dass sich Schillerfalter auf Forstwegen an Fuchskot, Aas oder von Schmetterlingskundlern ausgelegten “Käseködern” versammeln. Selbst menschlichen Schweiss saugen sie auf, wie das nachfolgende Bild eines auf die Hand geflogenen Männchens zeigt.

 

Interessanterweise nehmen die Männchen neben Wasser und Mineralien in erster Linie stickstoffhaltige Stoffe, wie Aas, Kot, Schweiss und Ähnliches auf, während die Weibchen fast nur an zuckerhaltigen Verbindungen interessiert sind (Baumsäfte, gärende Früchte). Im Gegensatz zu vielen anderen Tagfaltern gibt es nur extrem wenige Beobachtungen von an Blüten saugenden Schillerfaltern.

Der Große Schillerfalter fliegt ab Mitte Juni bis Ende August an offenen, halbschattigen Rändern von Schlägen, Waldwegen und Waldrändern. In geschlossenen Hochwäldern ist er dagegen nicht zu finden. Er ist auf Störungen, Kahlschläge und Vorwaldstadien angewiesen, in welchen auch regelmäßig die Salweide vorkommt. Wie  viele andere Schmetterlingsarten profitierte dieser prächtige Falter von den Folgen des Orkans “Lothar” im Dezember 1999, der in zahlreichen Waldgebieten Südwestdeutschlands das Aufwachsen von Salweiden in den entstandenen Lücken ermöglichte und damit neue Schillerfalterhabitate schuf.

Häufig fliegen Schillerfalter hoch oben in den Baumwipfeln, wo auch ihre Paarungsplätze liegen (sogenannte “Wipfelbalz”, im Englischen “tree-topping”). Besonders begehrte Treffpunkte für die Wipfelbalz sind alte Eichen, deren Kronendach etwas über die sonstige Baumschicht hinausragt. Unten auf dem Boden sieht man fast nur Männchen. Will man sie dort beobachten, muss man bei schönem Wetter Anfang Juli vormittags in den Wald gehen, weil sie in den Nachmittagsstunden zu den Paarungsplätzen in die Baumwipfel abwandern.

Eier werden hauptsächlich an jüngeren bis mittelalte Salweiden abgelegt. Bevorzugt werden dabei kühle und luftfeuchte Standorte. Manchmal werden auch Ohr-Weide oder Grauweide angenommen. Ab Ende Juli sind die jungen hellgrünen Räupchen zu finden. Sie sitzen vorne auf der Spitze eines Salweidenblattes, wo sie ein ganz charakteristisches Frassbild erzeugen (siehe folgende Abbildung).

 

Ei des Großen Schillerfalters        Salweidenblatt mit Frassbild und junger Raupe    

Sobald sich im Herbst der Zeitpunkt des alljährlichen Laubfalls nähert, sichern sich die jungen Räupchen ein Sitzblatt, indem sie dieses am Blattstiel, mit einem Spinnfaden am Zweig verspinnen. Fallen nun die anderen Blätter ab, so bleibt dieses Blatt  relativ lange hängen.

überwinternde Raupen des Großen Schillerfalters auf Zweigen der Salweide

(Aufnahmen: Januar 2010)

Den Winter überlebt die kleine grüne Raupe, indem sie gut getarnt, aber völlig offen, auf dem Zweig einer Salweide sitzt. Ihre Körperflüssigkeit hat sie in dieser Zeit weitgehend verringert und durch eine Art Frostschutzmittel ersetzt, damit sie nicht erfriert. Hierzu baut die Raupe ein kleines Sitzkissen aus weißen Spinnfäden meistens neben einer Blattknospe, seltener auch in einer Zweiggabel.

Nur ein Teil der kleinen Raupen überleben so den Winter. Viele werden von Meisen als Winterfutter vertilgt. Deshalb sollten an bekannten Vorkommen des Großen Schillerfalters keine Meisenkästen aufgehängt werden. Auch sollten bei Pflegearbeiten an Waldwegen Salweiden stehen gelassen werden. 

Der Große Schillerfalter ist in den Wäldern des Kreises Böblingen und auch in ganz Baden-Württemberg noch allgemein verbreitet. Voraussetzung ist das Vorkommen der Salweide. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Mitteleuropa ostwärts über die gemässigten Zonen Asiens bis nach Japan. In England kommt er nur im Süden vor. Lokale Vorkommen gibt es in Spanien. Im übrigen Südeuropa kommt er nicht vor.

Ein naher Verwandter ist der Kleine Schillerfalter (Apatura ilia), der sich durch  zusätzliche orange Ringe an der Oberseite der Vorderflügel und eine andere Zeichnung der Unterseite vom Großen Schillerfalter unterscheidet. Seine Raupennahrungspflanze ist bei uns die Zitterpappel, woran auch seine braune Raupe wie beim Großen Schillerfalter offen, aber gut getarnt, überwintert. Auch er ist in den Wäldern des Kreises Böblingen noch weit verbreitet.

Unterseite des Großen Schillerfalters                     ausgewachsene Raupe                                                                                  im Frühjahr



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