Schmetterling des Monats Dezember

Das Kleine Nachtpfauenauge (Saturnia pavonia)

Das Nachtpfauenauge ist einer der schönsten Nachtfalter unserer heimischen Fauna. Interessanterweise besitzen die erwachsenen Tiere keine funktionsfähigen Mundwerkzeuge. Sie können deswegen auch keinen Nektar aufnehmen und leben daher nur wenige Tage. Ihr kurzes Falterdasein dient ausschließlich der Fortpflanzung. Die Männchen fliegen tagsüber, die Weibchen nur nachts. Sie verbreiten einen Sexuallockstoff, der die Männchen über mehrere Kilometer anlockt. Um den Lockstoff zu orten, besitzen die Männchen große fächerartige Fühler. An diesen wiederum befinden sich zahllose “Rezeptoren”, in welche die Lockstoff-Moleküle nach dem “Schloß-Schlüssel-Prinzip” exakt hineinpassen. Die weiblichen Fühler haben keine solchen Rezeptoren und sind deshalb nur ganz schwach gefächert.

 

Männchen, Oberseite

Männchen, Unterseite

Die Weibchen legen kurz nach der Paarung ihre Eier, aus denen dann nach 7 - 10 Tagen die kleinen Räupchen schlüpfen. Als Futterpflanzen dienen ihnen zahlreiche Arten, insbesondere Rosengewächse wie Schlehe, Brombeere, Himbeere, Heidelbeere, Rauschbeere und Mädesüß, aber auch Salweide und Wiesensalbei. Die möglichen Lebensräume in unserer Kulturlandschaft sind recht vielfältig, niemals jedoch intensiv landwirtschaftlich genutzt. Im Schönbuch und im Heckengäu findet man die Raupen des Kleinen Nachtpfauenauges vor allem auf Magerrasen und Wacholderheiden, durchaus aber auch auf älteren Baubrachen, auf Waldlichtungen, in feuchten Hochstaudenfluren sowie an nicht oder nur selten gemähten Bahn- und Straßenböschungen. Günstig für die Art ist es, wenn die Hecken im Gäu immer wieder einmal “auf den Stock gesetzt” werden, denn dann findet die Raupe ihre Nahrungspflanzen in einem bodennah warmen Kleinklima und zudem einen sicheren Verpuppungsplatz für den Winter.  

Die jungen Räupchen sind zunächst schwarz mit einem orangen Streifen an den Seiten. Später werden die Raupen grün und tragen im letzten Stadium schwarze Ringe. Zur Verpuppung spinnen sie einen ziemlich stabilen, ovalen Kokon, der an ihre weitläufige Verwandtschaft mit den Seidenspinnern erinnert. Die Puppen überwintern und ab Ende März schlüpfen die ersten Falter. Falter können bis Mitte Mai beobachtet werden. Von Mai bis August sind dann die Raupen zu finden.

 

     Junge Räupchen                 Raupe letzten Stadium                           Kokon

Das Kleine Nachtpfauenauge ist auch im Kreis Böblingen noch weit verbreitet und nicht gefährdet. Trotz ihrer relativen Häufigkeit werden die Falter nur selten beobachtet, da sie nur wenige Tage leben. Zudem besuchen die ungestüm fliegenden Männchen niemals Blüten und sind deshalb - trotz ihres Fluges an sonnig-warmen Frühlingsnachmittagen - sehr leicht zu übersehen.

Die Art ist in Europa und den gemäßigten Zonen Asiens weit verbreitet. Neuerdings wurde festgestellt, daß im Mittelmeerraum eine dem Kleinen Nachtpfauenauge äußerst ähnliche, in einigen Merkmalen jedoch klar zu unterscheidende Art vorkommt: das Südliche Kleine Nachtpfauenauge (Saturnia pavoniella).     



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