Schmetterling des Monats August

Der Mauerfuchs (Lasiommata megera)


Der Mauerfuchs besiedelt im Kreis Böblingen ein breites Spektrum offener, „warmer“ Lebensräume. Eine herausragende Bedeutung haben Steinbrüche und Magerrasenflächen mit kleinen oder größeren Felsen sowie Lesesteinhaufen mit größeren Steinblöcken. Daneben findet man Mauerfüchse in südexponierten Streuobstgebieten, an felsigen oder schütter bewachsenen Straßen- und Wegböschungen, auf Sturmwurflichtungen mit senkrecht stehenden Wurzeltellern sowie an sonnigen Waldrändern.

 

Hier hat das Männchen einen Baumstumpf als Revier- und Sonnplatz ausgewählt


Wichtig ist, dass im Habitat der Art unbewachsene Kleinstrukturen vorhanden sind, die den ganzen Tag gut besonnt werden. In der Regel handelt es sich dabei um Felswände, -blöcke, Mauern oder grobes Geröll von offenen Lesesteinriegeln. Dort ist er z. B. in den Naturschutzgebieten des Venusberges regelmäßig zu finden. Attraktiv sind für die Falter aber auch gut besonnte Holzstöße, Sitzbänke, Materialablagerungen und andere, vom Menschen geschaffene Kleinstrukturen. Besonnte Felsen, Steine, Mauern oder Holzblöcke fungieren als Sitzwarten und sind damit ein zentraler Bestandteil des Männchen-Reviers. Doch damit nicht genug: Sucht man gezielt nach Eiern und Raupen dieses Augenfalters, so stellt man bald fest, dass auch die Fortpflanzung strikt an solche Strukturen gebunden ist (siehe unten).


Die erste Generation des Mauerfuchses fliegt in warmen Jahren bereits ab Ende April. Ab Anfang Juli tritt normalerweise die zweite Generation auf, die dann über den gesamten Sommer zu finden ist. In besonders warmen Jahren – wie 2003 – fliegt auch im Landkreis Böblingen eine dritte Generation. Diese Herbstfalter sind an sehr heißen Standorten bei andauernd mildem Herbstwetter mitunter noch bis Anfang November anzutreffen. Die Flugzeiten der Generationen überschneiden sich.

Die wichtigsten Nektarpflanzen des Falters sind lila blühende Korbblütler, wie

die Wiesenflockenblume, die Acker-Witwenblume und die Scabiose. Daneben werden aber auch andere Arten genutzt, so etwa Braunelle, Dost, Rotklee oder Habichtskrautarten.

Zur Nektaraufnahme entfernt sich der Falter selten weit von den typischen Habitatstrukturen. Oft sitzen die Männchen längere Zeit auf besonnten Steinen oder offenen Bodenflächen, um sich aufzuwärmen und auf Weibchen zu warten. Auf Blüten sitzen sie dagegen meist nur für wenige Sekunden zur Nektaraufnahme.

 

Weibchen des Mauerfuchses, vom Mauerfuchs besiedelte Felsfläche


Im Bereich der Männchen-Reviere findet die Geschlechterfindung und zumeist auch die Paarung statt. In der Regel sind die Flächen von einem, seltener gleich von mehreren Männchen besetzt. Ab und zu fliegen sie auf und patroullieren auf der Suche nach vorbeifliegenden Weibchen eine Zeit lang in der Umgebung, bevor sie sich wieder für einige Zeit auf ihren Stein, eine offene Bodenstelle oder ein Holzstück setzen.

Die Weibchen sind bei der Eiablage außerordentlich wählerisch. Das Ei wird nur dort abgelegt, wo ihm ein „Regendach“ Schutz vor allzugroßer Nässe und Feuchtigkeit bietet. Dabei handelt es sich teils um dieselben Strukturen, die vom Männchen als Revieransitz gewählt werden: Ablageort der Eier ist stets der regengeschützte, gleichzeitig jedoch gut besonnte Basisbereich von Felsen, Mauern, Steinen, Holzstößen oder leicht überhängenden Erosionsböschungen. Eher ungewöhnliche Eifundstellen waren der untere Stammbereich schräg stehender, nur schwach belaubter Bäume (v. a. Kiefern, Obstbäume) oder Sitzbänke am Rand von Wacholderheiden und Streuobstwiesen. Voraussetzung für die Eignung solcher Strukturen zur Eiablage ist stets das Vorhandensein von Süßgräsern, die den Raupen als Nahrung dienen (z. B. Schafschwingel, Fiederzwenke, Knaulgras). Das Weibchen heftet die Eier einzeln oder in Kleingruppen an noch grüne oder auch dürre Gräser, die oben durch Gestein oder Holz abgedacht sind.


Die Raupe verpuppt sich ebenfalls an großen Steinen, Felsflächen oder deren unmittelbarer Umgebung. Der Mauerfuchs überwintert vermutlich ausschließlich im Raupenstadium

 

Ei des Mauerfuchses (Bildmitte) an einem Grashalm, Raupe und Puppe an Felsen

 

Lebensraum Mauerfuchs auf offenem Boden, Raupenfundstelle unter einer Sitzbank

 

Raupen- und Ei-Fundstellen des Mauerfuchses


In Baden-Württemberg ist der Mauerfuchs fast in allen tieferen und mittleren Lagen weit verbreitet. Lediglich im niederschlagsreichen Oberschwaben fehlt er (noch) großräumig. Nach neuen Erkenntnissen gehört die Art zu den so genannten „Klimagewinnern“. Eine deutliche Ausbreitung ist derzeit insbesondere an den Nordrändern seines Verbreitungsareals zu beobachten (z. B. in Nordrhein-Westfalen und Südskandinavien). Aber auch in Baden-Württemberg werden Mauerfüchse zunehmend häufiger aus den Hochlagen der Mittelgebirge gemeldet (Schwäbische Alb, Schwarzwald), die noch vor 20 Jahren unbesiedelt waren.

Sein Gesamtverbreitungsgebiet umfasst West- und Südeuropa bis in die östliche Türkei. Im Norden kommt er bis Südskandinavien vor, im Süden bis nach Nordafrika.

 

 

 

Der Komma-Dickkopffalter (Hesperia comma)

Der Komma-Dickkopffalter besitzt nur noch recht wenige Vorkommen im Kreis Böblingen. Noch während der 1990er Jahre lagen Nachweise dieser bestandsgefährdeten Art aus 23 verschiedenen Magerrasen im Muschelkalkgebiet des Heckengäu vor. Seit dem Jahrtausendwechsel ist der Bestand auf 12 Vorkommen zusammengeschmolzen, von denen jedoch mehrere ebenfalls schon bedroht sind (Ursachen s. unten).

Mit seiner Hauptflugzeit im August ist er der späteste von mehreren ähnlich aussehenden Dickkopffalter-Arten. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal sind die silbrig-weißen Flecke auf der Unterseite des Hinterflügels (s. Abb. 1 und 4). Beim viel häufigeren Ockergelben Braun-Dickkopffalter (Ochlodes sylvanus) sind diese Flecke unauffällig blassgelb. Während sich fast alle der bei uns heimischen verwandten Dickkopffalter-Arten an produktive, auf nährstoffreichen Standorten wachsende Gräser spezialisiert haben, ist der Komma-Dickkopf ein klassischer Bewohner der Magerrasen und der nur dort wachsenden Magergräser.

 

Abb. 1: Weibchen des Komma-Dickkopffalters

Im Heckengäu bilden die größeren, noch regelmäßig durch Schafe beweideten  Magerrasen des Oberen Muschelkalks die letzten Refugien. Die höherwüchsigen Keuper-Magerasen des Schönbuchtraufs waren dagegen in neuerer Zeit nie besiedelt. Der spezielle Raupenlebensraum dieser Falterart ist an regelmäßige Beweidung nicht nur hervorragend angepasst, sondern im Heckengäu unmittelbar davon abhängig. Das Weibchen legt seine Eier nämlich nur an kurzrasigen, trockenen, offenen und zugleich gut besonnten Stellen ab. Hier bilden insbesondere Horste des Schafschwingels (Festuca ovina agg.) sowohl das Eiablagemedium, wie auch den Entwicklungsort der später schlüpfenden Raupe. In anderen Naturrräumen werden  auch einige andere Magerrasengräser als Wirtspflanze angenommen (u. a. Silbergras, Borstgras, Drahtschmiele). Stets ist jedoch eine deutliche Bevorzugung kümmerlicher

Horste ohne Blüten bzw. steriler Jungpflanzen zu beobachten. Besonders günstig stehende Schafschwingel-Horste sind auf den meisten Heckengäu-Magerrasen im Mangel und werden deshalb – zum Nachteil der später schlüpfenden Raupen – gleich mit mehreren Eiern belegt (s. Abb. 2).

Auch vegetationsarme, trocken-warme Kalkschotterflächen wurden im Heckengäu früher als Larvalhabitat genutzt (z. B. an einem stillgelegten Bahndamm und in aufgelassenen Steinbrüchen), doch sind diese Vorkommen inzwischen alle infolge von Verbuschung erloschen.

Abb. 2: Mehrfache Eiablage des Komma-Dickkopffalters an einem Horst des Schafschwingels (Festuca ovina agg.)

 

Zu späte und zu seltene Beweidung, mehr noch die vollständige Aufgabe dieser traditionellen Nutzungsform oder deren Ersatz durch Spätmahd sind die Hauptgründe für den massiven Bestandsrückgang. Speziell im Heckengäu wirkt sich außerdem die viel zu zurückhaltende Gehölzpflege mit der Folge immer dichter und höher werdender Wacholderbestände negativ auf die Populationen aus. Beschattung der Larvalhabitate durch Büsche oder Bäume wird vom Komma-Dickkopf nicht ertragen. Insbesondere aber entstanden in früherer Zeit durch das regelmäßige Ausstocken der Wacholderbüsche durch den Wanderschäfer stets neue Pionierstandorte, auf denen sich der Schafschwingel unter besonders günstigen Mikroklimabedingungen ansiedeln konnte (Beispiel von der Schwäbischen Alb s. Abb. 3). Solche „Störstellen“ sind im Heckengäu heute im besonderen Mangel. Um die Bestände der Art hier wieder zu stabilisieren, müssten im Rahmen der manuellen Magerrasenpflege deutlich mehr Wacholderbüsche entnommen werden, wovon auch viele andere gefährdete Magerrasenarten profitieren würden. Die heute im Heckengäu noch bestehenden Kalkmagerrasen werden oft alleine nach Kriterien des Landschaftsbildes gepflegt, während vorrangige Artenschutzaspekte den zuständigen Personen und Fachbehörden häufig nicht im Detail bekannt sind und deshalb unberücksichtigt bleiben.

Abb. 3: Vollsonnige Offenbodenstellen, die beim Ausstocken von Wacholderbüschen entstehen, sind bevorzugte Eiablagestellen und für den Fortbestand der Populationen von großer Bedeutung. Allein an dieser Entbuschungsstelle keimten rund zwanzig lückig und „warm“ stehende Schafschwingel-Horste, die zum Aufnahmezeitpunkt mit (mindestens) elf Eiern des Komma-Dickkopfes belegt waren.

Der Komma-Dickkopffalter überwintert ausschließlich im Ei-Stadium. Die ab März schlüpfenden Räupchen spinnen sich tief unten im Grashorst eine Wohnröhre, in der sie vor Schafverbiss und anderen Fressfeinden gut geschützt sind. Auch die Verpuppung erfolgt später in dieser Wohnröhre.

Abb. 4: Männchen des Komma-Dickkopffalters an Herbstaster (Aster amellus). Charakteristisches Art-Merkmal sind die silbrig-weißen Flecke auf der Unterseite des Hinterflügels.

 

Abb. 5: Oberseite des Weibchens, dem der namengebende „Komma-Strich“ des Männchens fast gänzlich fehlt.



Ihre Spende hilft.

Suche

BUND-Umweltzentrum
im Kreis Böblingen
Herrenwäldlestraße 13
71065 Sindelfingen
E-Mail: bund-uwz@t-online.de
Tel.: (07031) 807336
Fax: (07031) 800483
IBAN:
DE16 6035 0130 0003 6768 40
BIC: BBKRDE6BXXX

Öffnungszeiten:
Di 14 - 18 Uhr
Fr 9 - 13 Uhr