Schmetterling des Monats April

Das Landkärtchen (Araschnia levana)


Wenn das Landkärtchen fliegt, dann hat der Frühling richtig begonnen. Von Mitte April bis Mitte Juni findet man die Frühlingsgeneration. Jene Falter haben den Winter als sogenannte “Stürzpuppe” überlebt. Diese hängt ungeschützt an dürren Stauden oder Holzresten und ist auch gegen harte Fröste völlig unempfindlich. Der Frost bewirkt allerdings, dass die geschlüpften Falter ganz anders aussehen, als jene der Sommergeneration. Diese fliegt von Anfang Juli bis Ende August und unterscheidet sich farblich, wie auch in der Zeichnung, deutlich von den Frühlingstieren. Zudem ist die Sommergeneration stets individuenreicher, weil ihr die verlustreiche Winterzeit erspart geblieben ist.

Frühlingsgeneration                Sommergeneration


In den Waldgebieten des Kreises Böblingen ist das Landkärtchen allgemein verbreitet, aufgrund der zunehmenden Häufigkeit der Brennessel insgesamt sogar in Zunahme begriffen. Es bevorzugt Randstrukturen, Hochstauden an Waldwegen, Kahlschläge und Lichtungen. Auch in waldnahen Feuchtgebieten ist es regelmässig zu finden. Entscheidend für das Vorkommen dieser spezialisierten Art sind luftfeuchte, zumeist nur mässig besonnte Bestände der Grossen Brennessel, wie man sie oft entlang von Forstwegen findet. An solchen Stellen legen die Weibchen ihre Eier als “Türmchen” an die Unterseite der Wirtspflanze ab. Die später schlüpfenden Raupen leben gesellig. Sie ernähren sich ausschliesslich von Brennesselblättern. Raupen, die sich unter Langzeiteinfluss entwickeln (Mai, Juni) ergeben Puppen, aus denen schon nach 10 - 14 Tagen die Falter der Sommergeneration schlüpfen. Entwickeln sich die Raupen hingegen bei deutlich weniger Tageslicht (August, September), dann schlüpfen die Puppen erst nach erfolgreicher Überwinterung im folgenden Frühjahr. Die Landkärtchenraupe ist schwarz oder dunkelbraun gefärbt. Von der etwas ähnlichen Raupe des Tagpfauenauges (Inachis io) lässt sie sich gut anhand ihrer “Kopfhörnchen” unterscheiden.

 

Lebensraum für Eiablage, Raupen und Puppen des Landkärtchens

 

Puppe und Raupen des Landkärtchens


Als Falter ist das Landkärtchen recht mobil, sodass man es auch fernab seiner Raupenbiotope beobachten kann. Vor allem die Sommergeneration besucht oft auch blumenreiche Gärten und Obstwiesen. Wie bei allen Schmetterlingsarten mit gesellig lebenden Raupen treten in manchen Jahren starke Populationsschwankungen auf, die wahrscheinlich auf Parasiten zurückzuführen sind.


Das Landkärtchen ist ein eifriger Blütenbesucher und saugt Nektar an vielen Pflanzenarten. Die Frühlingsform bevorzugt dabei gelbe Blüten wie Hahnenfuss, Löwenzahn und Sumpfdotterblume. Die Sommerform vor allem weisse Doldenblütler.

 


Das Landkärtchen kommt heutzutage in ganz Baden-Württemberg vor und ist nicht gefährdet. Noch vor 40 Jahren war die Art hierzulande dagegen in vielen Gegenden selten oder fehlte ganz (z.B. in Teilen der Schwäbischen Alb und des Schwarzwaldes). Das Verbreitungsgebiet reicht von Westeuropa über die gemässigten Zonen Asiens bis nach Japan. Die Art fehlt aber in Grossbritannien sowie in den Mittelmeerländern. Ausnahme ist eine Population in Nordspanien.

 

 

 

Der Aurorafalter (Anthocharis cardamines),

Der Aurorafalter ist einer der häufigste Schmetterlinge im Kreis Böblingen. Er überwintert als Puppe. Sobald im April die Blüte des Wiesenschaumkrauts beginnt, schlüpfen die ersten Falter. Daran legen die Weibchen dann auch einen Großteil ihrer Eier ab. Wenn das Wiesenschaumkraut verblüht ist, wechselt der Falter auf die ebenfalls häufige Knoblauchsrauke. Daneben werden noch viele andere Kreuzblütler als Wirtspflanze angenommen, manchmal sogar blühende Rapspflanzen auf Wildäckern im Wald. Der Falter ist über die ungewöhnlich lange Zeit von einem Vierteljahr von April bis Juni zu beobachten. Er bildet aber nur eine Generation im Jahr.

 

Den Hauptlebensraum des Aurorafalters bilden Wälder fast aller Ausprägungen. Regelmäßig findet man die Art aber auch in strukturreichen Offenlandbiotopen (Brachen, Gebüschränder, Bachbegleitgehölze). In Gärten legt das Weibchen seine Eier gerne an Blütenknospen des Silberblattes. Nur auf Äckern und in Wiesen findet die Art keine geeigneten Fortpflanzungsbiotope, weil die frei an Pflanzenstängeln überwinternden Raupen dort untergepflügt oder mit dem Mähgut abtransportiert würden. 

Aurorafalter Männchen

Wiesenschaumkraut

 

Das Männchen des Aurorafalters besitzt auf den Vorderflügeln orangerote Flecken. Das Weibchen besitzt diese Flecken nicht, hat aber an den äußeren Rändern der Vorderflügel den gleichen schwarzen Rand. Vor allem an offenen Waldwegerändern, wo Wiesenschaumkraut und Knoblauchsrauke wachsen, kann man die Falter in oft großer Anzahl beobachten.   

 

Mit etwas Ausdauer und Glück sind ab Mitte April die Eier und etwas später die kleinen Raupen zu finden. Die Entwicklung ist vollständig an die unreifen Früchte der Nahrungspflanzen gebunden; nicht blühende Pflanzen werden von den Weibchen niemals mit Eiern belegt. Das ca. 1,5 mm große Ei ist zunächst weißlich und verfärbt sich nach 1 - 2 Tagen orangerot. Nach ca. 10 Tagen schlüpft eine zunächst sehr kleine grüne Raupe, die sofort an den unreifen Schoten der Nahrungspflanze zu fressen beginnt. Sie wächst rasch und kann sich an den Stängeln gut tarnen.

Ei des Aurorafalters, ca. 3Tage alt

ausgewachsene Raupe

 

Trotzdem werden die meisten Raupen in dieser Zeit von Raubwanzen und anderen Freßfeinden gefunden. Aber es überleben genügend Tiere, sodass die Fortpflanzung in intakten Biotopen sichergestellt ist.   

Ab Ende Mai bis spätestens Ende Juli verpuppen sich die ausgewachsenen Raupen frei an einem Pflanzenstängel. Aber die Puppe ist so gut getarnt, dass sie meist nur von Spezialisten im Freiland aufgefunden wird. So verbringt die Art die Zeit bis zum nächsten Frühjahr. Es handelt sich um eine sogenannte Stützpuppe, die mit einem Spinnfaden am Stängel der Nahrungspflanze oder an einer benachbarten Pflanze befestigt ist.

 

Stützpuppe des Aurorafalters

 

Der Aurorafalter ist in fast ganz Europa verbreitet und kommt auch in den gemäßigten Zonen Asiens bis nach China vor.

 



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