Pflanze des Monats April

Die Spinnenragwurz (Ophrys sphegodes)


Die Spinnenragwurz kam bis vor ca. 25 Jahren in Deutschland fast nur in den Wärmeinseln des Oberrheins, wie z.B. dem Kaiserstuhl, vor. Sonst gab es nur ganz vereinzelte Stellen, wo diese Orchideenart in meist nur wenigen Exemplaren zu finden war. Mit Beginn der Klimaerwärmung ist sie inzwischen in viele Gebiete eingewandert, wo sie seit Anfang der botanischen Aufzeichnungen noch nie gefunden wurde. Seit einigen Jahren gibt es auch immer wieder Funde im Kreis Böblingen im Bereich des Würmtales. Ein schwer zugänglicher Wuchsort mit über tausend Pflanzen befindet sich im Heckengäu unmittelbar hinter der Grenze zum Kreis Calw.

 

 

Sie ist die früheste der drei im Kreis Böblingen vorkommenden Ragwurz-Arten und in einem warmen Frühjahr meist schon ab Mitte April zu finden. Die Fundorte im Kreis Böblingen sind jedoch bisher nur mit wenigen Exemplaren besetzt und in manchen Jahren sind auch gar keine Pflanzen zu finden.

 

 

Die Spinnenragwurz ist wie alle anderen Ophrys-Arten eine Insekten-Täuschblume. D.h. die Blüte gauckelt den Männchen der Sandbiene (Andrena limata) paarungsbereite Weibchen vor. Die Männchen versuchen, diese vermeintlichen Weibchen zu begatten und übertragen so die Pollen von einer Blüte zur anderen. Die verschiedenen Ophrys-Arten sind durch Form und Farbe der Blüten auf die jeweils als Bestäuber in Frage kommenden Arten spezialisiert. Ab und zu gibt es jedoch Verwechslungen bei den Bestäubern, so daß natürliche Kreuzungen (Hybriden) zwischen den verschiedenen Ophrys-Arten entstehen können. Solche Hybriden sind von der Spinnenragwurz mit allen anderen in Deutschland vorkommenden Ophrys-Arten bekannt. Aus dem angrenzenden Kreis Calw sind z.B. Hybriden mit der Fliegenragwurz und der Hummelragwurz bekannt.

 

Hybriden mit der Hummelragwurz (Ophrys holoserica X sphegodes)

 

Hybriden mit der Fliegenragwurz (Ophrys insectifera X sphegodes)


Der Fruchtansatz bei der Spinnenragwurz ist meistens gering. Ein einzelner Fruchtkörper enthält jedoch wie bei allen heimischen Orchideen tausende von Samen, die sehr leicht sind und durch den Wind große Entfernungen überwinden können. Der Samen kann jedoch nur keimen, wenn er zufälligerweise auf ein geeignetes Keimsubstrat trifft. Notwendig sind bestimmte Pilz-Myzile, die erst eine Keimung ermöglichen. Durch die große Anzahl der Samen gelingt das jedoch immer in einigen Fällen. Treffen zufälligerweise viele Samen auf geeignetes Substrat, kann es aber auch spontan zu einer lokalen Massenvermehrung kommen. Für die Bildung dauerhafter Bestände ist jedoch auch das Vorkommen der Sandbiene erforderlich. Diese Art ist aber ebenfalls sehr selten.


Gelingt eine Keimung, so entwickelt sich die Pflanze im Laufe mehrerer Jahre zu einem blühfähigen Exemplar. Bereits im Spätherbst werden Blattrosetten ausgebildet, die den Winter überdauern. Diese Blattrosetten kann man an den Wuchsorten im Winter finden. Allerdings kommt nur ein Teil dieser Blattrosetten im April dann auch tatsächlich zur Blüte.


Die Blüte der Spinnenragwurz ist sehr variabel, wie das auch in den Bildern zu erkennen ist. Eine nahe verwandte Art ist die Kleine Spinnenragwurz (Ohrys sphegodes ssp. araneola), deren Blütenlippe deutlich kleiner und meist mit einem gelben Rand ausgestattet ist. Ein kleines Vorkommen dieser Art befindet sich knapp über der nördlichen Kreisgrenze im Enzkreis.


Die Spinnenragwurz ist wie alle Orchideenarten in Deutschland besonders streng geschützt. In der Roten Liste wird sie unter Gefährdungklasse 2 (starkt gefährdet) geführt.


In den Mittelmeerländern und östlich über die Türkei bis in den Iran gibt es noch zahlreiche weitere Ophrys-Arten, die durch Anpassung an unterschiedliche Bestäuber (Hummel-, Bienen- und Wespen-Arten) entstanden sind. Die Spinnenragwurz ist in Westeuropa bis zum Mittelmeer verbreitet. Im Mittelmeerraum wird sie durch nahe verwandte Arten abgelöst.

 

 

 

Das Frühlingsfingerkraut (Potentilla neumanniana, früher P.verna)

Die verschiedenen Fingerkraut-Arten haben ihren Namen von ihren meist fünffach gefingerten Blättern. Die früheste Fingerkraut-Art im Kreis Böblingen ist das Frühlingsfingerkraut. Es gehört zu den ersten Frühlingsboten in unseren Heidegebieten. Wir finden es aber auch an Wegerändern, Steinriegeln oder auf anderen nährstoffarmen Böden. 

Es ist im Kreis Böblingen noch allgemein verbreitet, aber nirgends besonders häufig. Gerne wird es mit der Blutwurz verwechselt, die aber bei uns wesentlich seltener ist und erst im Sommer blüht. Es gehört zur großen Familie der Rosengewächse. Es ist fast in ganz Europa verbreitet. Im Schwarzwald kommt es nur an wenigen Stellen vor. Im Spätsommer und im Herbst gibt es manchmal noch eine zweite Blüte. Das Frühlingsfingerkraut wird durch Insekten bestäubt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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