Problem

Kaum ein Raum in Deutschland wurde für den menschlichen Wohlstand so intensiv mit Verkehrswegen erschlossen wie der Ballungsraum Stuttgart. Doch der Nutzen für den Menschen einerseits wird zum großen Nachteil für alle Tiere. Für viele Tierarten ist der Straßenverkehr immer noch Todesursache Nummer eins. Die Zerschneidung der Landschaft durch Verkehrswege führt zu einer Isolation der Lebensräume für viele Tierarten. Durch die Durchtrennung der Lebensräume in meist zu kleine Teillebensräume kommt es zu einer genetischen Isolation. Die ehemaligen Wanderwege sind nicht mehr oder nur unter großer Gefahr für die Tiere nutzbar.

Ziel

Der BUND Kreisverband Böblingen und der Ortsverband Böblingen-Sindelfingen haben gemeinsam beschlossen etwas für die Verbindung der Lebensräume der Wildtiere zu tun, damit ein gefahrloses Überqueren der Verkehrswege in der Zukunft gewährleistet wird. Hierfür müssen auf regionaler Ebene die gefährdeten Wildwechsel bestimmt werden. Dann wird ein Regionaler Wildwegeplan erstellt. Viel Fachwissen, Erfahrungen und Beobachtungen über die Wanderwege sollen dort gebündelt werden. Wir möchten uns bezüglich dieser Inhalte regelmäßig treffen und daran weiterarbeiten.

Projektraum

Berücksichtigt werden die Waldgebiete des Glemswaldes und des Schönbuchs sowie das Offenland der Schönbuchlichtungen und Teile des Gäus im Kreis Böblingen. Mit Hilfe von Querungsbauwerken an vielbefahrenen Straßen und Bahnstrecken sowie durch die Schaffung von Wildtierkorridoren im Offenland soll die Durchwanderbarkeit der Landschaft wiederhergestellt werden. An einigen Stellen werden aber nicht nur die Wildtiere berücksichtigt sondern auch die Menschen, denn auch wir können inzwischen in der Landschaft nicht mehr frei umherwandern, da vielbefahrene Straßen uns daran hindern. Traditionelle Wanderwege müssen erhalten bleiben, da sie sich durch Nutzung erhalten haben und meist den kürzesten und einfachsten Weg zwischen zwei Orten darstellen.

Beim BUND-Wildwegeprojekt werden die Wandermöglichkeiten in
West-Ost-Richtung vom Nordschwarzwald in den Glemswald und Schönbuch berücksichtigt. In Nord-Süd-Richtung werden die Wanderkorridore aus den Waldgebieten des Stromberg-Heuchelbergs in den Glemswald und Schönbuch miteinander verknüpft.

Die "Entschneidung" der Landschaft

Gemeinsames Ziel verschiedener Wildtier-Projekte ist ein Gesamtkonzept eines Wildtierwandernetzes für das gesamte Land Baden-Württemberg. Durch zukünftige bauliche Umsetzung an Verkehrswegen könnte dann Abhilfe geschaffen und der "Straßentod" vieler wild lebender Tiere vermieden werden bzw. über die Schaffung von Wildtierkorridoren die Wanderungen gefahrloser ermöglichen.

 

Einige Beispiele von Berichten von Wildunfällen im Kreis Böblingen

  • Am 03.05.2008 berichtet die Böblinger Kreiszeitung von einem Wildunfall mit einem Reh, welches in der Nacht vom 02. auf den 03. Mai die K 1074 zwischen Holzgerlingen und Schönaich queren wollte, und offensichtlich von einem Fahrzeug angefahren wurde.
  • Aus mündlichen Berichten aus dem Forstbereich geht hervor, dass an der
    L 1185 (Bereich Pfefferburg) bereits zahlreiche verendete Wildschweine gefunden wurden.
  • Am 18.11.2008 ereignete sich ein Wildunfall. Gegen 7.45 Uhr wollten Wildschweine die A 81 auf Höhe der Anschlussstelle Ehningen die Autobahn in Richtung Singen queren. Dabei kam es dann zu einem Unfall (Bericht der Böblinger Kreiszeitung vom 20.11.2008).
  • Im März 2008 kam es zu einem Wildunfall mit einem Dachs an der L 1134 zwischen Mönsheim und Heimsheim an der K4569 und K 1017. Zwischen Mönsheim und Flacht wurden Wildwechsel und beinahe Wildunfälle mit Rehen, Füchsen und Dachsen beobachtet (beim BUND gemeldeter Wildunfall).
  • "Augenzeugen"
    Am 21.06.2008 fuhr ich an einem sich gerade ereigneten Wildunfall an der
    L 1185 um ca. 10.30 Uhr zwischen Böbligen und Schönaich unterhalb der Pfefferburg vorbei. Dabei wollte ein Reh die Straße überqueren und wurde angefahren. Einige Monate zuvor lief ein Wildschwein auf Höhe IBM in ein Fahrzeug. Bereits Jahre vorher habe ich ständig beobachtet wie zahlreiche Marder und Igel überfahren oder angefahren wurden an genau demselben Straßenabschnitt (mündl. Rohierse).

Beim BUND-Regionalverband Nordschwarzwald besteht ein Projekt für Wildkatze und Co., und über das BUND-Wildkatzenbüro beim BUND-Landesverband in Stuttgart und unter der angegebenen Internetseite kann man sich über die Wildkatze informieren sowie den Wildkatzenplan finden:
www.bund.net/wildkatze und www.wildkatze.info

Eine gefährliche Kurve - nicht nur für Menschen. Wildtiere werden seh häufig an der vielbefahrenen Straße zwischen Böblingen und Schönaich überfahren.
Flüchtende Wildtiere laufen ungehindert direkt in die Kurve - Autofahrer können die Strecke nicht überschauen. Eine gefährliche Situation!
Diese Grünbrücke über die neue B 464 zwischen Böblingen und Holzgerlingen wurde vom Naturschutz gefordert und realisiert.
Im Herbst / Winter 2008 konnten einige Tierspuren auf der Grünbrücke aufgenommen werden. Sie verraten uns, dass Wildschweine, Rehe und Füchse die Grünbrücke annehmen und sich auf die andere Waldseite hinüber wagen.
Tierspuren in Richtung Grünbrücke. Wildschutzzäune leiten die Tiere auf die Grünbrücke zu!
Der Wildwechsel, welcher über die Grünbrücke führt, ist an der alten B 464 am Holzgerlinger First unterbrochen.
Moderner Durchlass für Menschen und Tier nahe des Segelbachbeckens - Weil im Schönbuch.
Ein veralteter Durchlass, wie hier an der A 81, ist viel zu dunkel als dass er von Wildtieren gut angenommen wird. Tiere überqueren eher eine Straße. Sie haben meist zu viel Angst, um durch ein Tunnel zu laufen.
Die B 464 trennt den Naturpark Schönbuch in zwei Lebensräume. Hier der Eingang zum Westteil - aber nur für die Menschen


Ihre Spende hilft.

Suche

BUND-Umweltzentrum
im Kreis Böblingen
Herrenwäldlestraße 13
71065 Sindelfingen
E-Mail: bund-uwz@t-online.de
Tel.: (07031) 807336
Fax: (07031) 800483
IBAN:
DE16 6035 0130 0003 6768 40
BIC: BBKRDE6BXXX

Öffnungszeiten:
Di 14 - 18 Uhr
Fr 9 - 13 Uhr