BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Wir retten Lebensräume

Natur braucht Raum. Tiere und Pflanzen brauchen Rückzugsgebiete, in denen sie ungestört leben können. Und Menschen brauchen Orte, an denen sie Natur in Ruhe genießen und erleben können.

Grünes Band, Elbe, Allee, Fotos: K. Leidorf (www.leidorf.de), E. P. Dörfler, www.pixelio.de

Von Flensburg bis Garmisch und von Aachen bis Greifswald ist der BUND für die Natur aktiv. Von der Ortsgruppe bis zum Bundesverband engagieren sich zahllose Menschen ehrenamtlich und hauptberuflich für den Schutz unserer Natur. Ihr Einsatz gilt Buchenwäldern und Mooren, Alleen, grünen Großstadtoasen und weiter Wildnis. Sie kämpfen für lokale Biotope und für große und wegweisende Projekte wie das "Blaue Wunder Elbe“ oder das "Grüne Band“.

Doch das geht nicht ohne die Politik: Gesetze auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene entscheiden über Wohl und Weh unserer Natur, z.B. die Wasserrahmenrichtlinie oder Natura 2000. Fachleute des BUND begleiten diese Regelungen von Anfang an und machen — wenn nötig — politisch Druck. So wird der BUND zum Anwalt der Natur.

Auf lokaler Ebene bemühte sich der Ortsverband Böblingen-Sindelfingen und der Landes-Naturschutz-Verband um den Erhalt der Fauna und Flora, die sich nach dem zweiten Weltkrieg auf dem „Flugfeld” genannten Gelände  etabliert hatte — leider ziemlich erfolglos,

Etwas zur Geschichte, die sich stellenweise wie ein Krimi liest:
Im Ersten Weltkrieg wurde dort ein Militärflughafen gebaut. In den 30er-Jahren war es der Landesflughafen von Württemberg bevor der Flughafen in Stuttgart gebaut wurde. Im Zweiten Weltkrieg diente das Gelände wieder als Militärflughafen. Das Gelände ist eine ehemalige Sumpfwiese, die für den Flughafenbau aufgefüllt wurde. Der Grundwasserstand ist auch heute noch sehr hoch. Nach dem zweiten Weltkrieg benutzten die Amerikaner bis Mitte der 90er-Jahre das Gelände um dort Panzer und andere Militärfahrzeuge abzustellen. In dieser Zeit war das Gelände abgesperrt und es entwickelte sich ein bedeutender Zugvogelrastplatz.
Nachdem das Gelände beim ersten Irak-Krieg geräumt wurde und die Panzer in den Nahen Osten verschwanden, wurde es von den Amerikanern frei gegeben. Der Staat verkaufte das Gelände an die Städte Böblingen und Sindelfingen, deren Markungsgrenze mitten hindurch geht. Zur Verwertung des Geländes wurde ein Zweckverband gegründet.
Zunächst plante man, dort auf einem Teil des Geländes eine Müllverbrennungsanlage und dann später eine Sondermüllentsorgungsanlage zu bauen. Dies führte zu großen Protesten in der Bevölkerung mit riesigen Demonstrationen. Sie befürchtete Luftverschmutzung. Die Pläne wurden aufgegeben.

Vom Landes-Naturschutz-Verband wurde schon damals eine Ausweisung als Naturschutzgebiet wegen seiner großen Bedeutung als Zugvogelrastplatz und auch wegen des Vorkommens seltener Vogelarten gefordert. Auch als Frischluftschneise für die beiden Städte wäre die Offenhaltung des in Hauptwindrichtung liegenden Geländes wichtig gewesen: leider alles vergebens, obwohl unsere Argumente eigentlich überzeugend waren. Aber der Hunger der Städte nach Gewerbegebieten und Gewerbesteuereinnahmen war größer als die Vernunft.
Nach Öffnung des Geländes wurde dort zunächst eine Straße mitten hindurch gebaut und ein künstlicher See angelegt. Von den geplanten Gewerbegrundstücken konnte zunächst nur ein einziges für den Bau eines Indoor-Freizeitparks verkauft werden. Für im Bebauungsplan vorgesehene Logistikhallen wurden riesige Baugruben ausgehoben, die sich dann mit Grundwasser füllten. In diesen Teichen entwickelten sich schnell bedeutende Biotope für Zugvögel. Vogelexperten erstellten eine lange Liste seltener und seltenster Vogelarten (Rote Liste 1 und 2), die dort wochenlang zu beobachten waren und teilweise auch brüteten. In den umgebenden Wiesen siedelten sich Kiebitze an und brüteten. Zu dieser Zeit waren es die einzigen Kiebitz-Vorkommen im ganzen Großraum Stuttgart.
Der Zweckverband stellte im Gelände Lautsprecher auf, aus denen Hundegebell und Rufe von Greifvögeln ertönte, um die Kiebitze und die anderen seltenen Vogelarten zu vertreiben. Die Tiere blieben jedoch trotzdem da. Gegen die Kiebitze ist man dann noch nachts mit Hunden durch das Gelände gegangen, um die auf dem Boden befindlichen Kiebitzbruten zu zerstören. Ein klarer Verstoß gegen Naturschutzgesetze. Eine Anzeige bei der Polizei blieb ohne Folgen.

Inzwischen ist ein Teil des Geländes mit Logistik-Hallen bebaut. Ein bedeutender Gewerbesteuerzahler ist jedoch nicht dabei. Ein anderer Teil ist mit Wohnhäusern bebaut. Die seltenen Vogelarten sind verschwunden. Da man keine andere Nutzung findet, wird jetzt auf einem weiteren Teil der Neubau eines Krankenhauses geplant, obwohl es in den beiden Städten schon gut funktionierende und aktuell renovierte Krankenhäuser gibt und eigentlich auch gar kein Bedarf besteht. Zu erwähnen wäre noch, dass an der Nordwestseite des Geländes die Autobahn A81 vorbei führt, die Lärm und auch Schadstoffe in das Gelände einbringt. Die Vögel hatte dies nicht gestört. Aber wohnen möchten viele dort nicht und auch nicht in einem Krankenhaus direkt neben der Autobahn behandelt werden. Proteste aus der Bevölkerung gegen das Krankenhaus werden von der Verwaltung ignoriert. Also hier von einem Erfolg zu sprechen, ist ein schlechter Witz. Eine Niederlage für den Naturschutz ist es allerdings schon.

Quelle: http://kv-boeblingen.bund.net/themen_und_projekte/naturschutz/